1. Mose 19,24 – ein Beweis für zwei Jahwehs?

In diesem Artikel wollen wir den Bibelvers aus 1. Mose 19,24 genauer betrachten, um ein besseres Verständniss zu erlangen!

Wie in vielen anderen von mir aufgezeigten Stellen, führt auch hier eine geringe Auseinandersetzung mit der antiken Sprachkultur, Denkweise und dem Kontext des Schriftauszuges zu einer Fehlinterpretation und einem falschen Verständis.

Schauen wir uns mal einige Übersetzungen von 1.Mose 19,24 an.

Schlachter Bibel:  Da ließ der Herr Schwefel und Feuer regnen auf Sodom und Gomorra, vom Herrn, vom Himmel herab.

Elberfelder: Da ließ der HERR auf Sodom und auf Gomorra Schwefel und Feuer regnen von dem HERRN aus dem Himmel.

Einheitsübersetzung: ließ der Herr auf Sodom und Gomorra Schwefel und Feuer regnen, vom Herrn, vom Himmel herab.

Diese drei Übersetzungen könnten einen verstehen lassen, dass ein Jahweh oben im Himmel ist und ein anderer Jahweh unten auf der Erde agiert. Aber in keiner dieser drei Übersetzungen ist direkt davon zu lesen, dass ein Jahweh unten ist!

Insbesondere Leser aus der christlichen Welt denken sich beim Lesen des Verses, das Wort „unten“ automatisch in den Vers hinein. Zumindest ist es das, was ich oft zu hören bekommen habe.

וַיהוָה, הִמְטִיר עַל-סְדֹם וְעַל-עֲמֹרָה–גָּפְרִית וָאֵשׁ:  מֵאֵת יְהוָה, מִן-הַשָּׁמָיִם.

Liest man den Vers im hebräischen Original, bemerkt man, dass der Name Jahweh zweimal vorkommt. Die oben aufgeführten drei Übersetzungen entschieden sich für eine wörtliche Übersetzung, die das sinngemäße Verständnis nicht berücksichtigen.

Im Deutschen finden sich jedoch auch andere Übersetzungen, die genauer auf den Sinn und Hintergrund eingehen:

Luther: Da ließ der HERR Schwefel und Feuer regnen vom Himmel herab auf Sodom und Gomorra.

Neue evangelische Übersätzung: Da ließ Jahwe Feuer und Schwefel auf Sodom und Gomorra regnen. Es kam von ihm, vom Himmel herab.

Neues Leben: Da ließ der Herr Feuer und Schwefel vom Himmel auf Sodom und Gomorra regnen.

Gute Nachricht: Da ließ der Herr Schwefel und Feuer vom Himmel auf Sodom und Gomorra herabfallen.

Hoffnung für alle: Da ließ der Herr Feuer und Schwefel vom Himmel auf Sodom und Gomorra herabfallen.

Denn hier handelt es sich um ein hebräisches/orientalisches Sprachmittel, das in der jüdischen Bibel sehr oft zu finden ist. Im folgenden möchte ich einige Beispiele aufführen:

1. Beispiel 1.Könige 8,1

Schlachter: Damals versammelte Salomo die Ältesten von Israel und alle Häupter der Stämme, die Fürsten der Vaterhäuser der Kinder Israels, zum König Salomo nach Jerusalem, um die Bundeslade des Herrn hinaufzubringen aus der Stadt Davids, das ist Zion.

Wie kann da sein? Beauftragte ein Salomo den anderen Salomo, die Fürsten nach Jerusalem zu schicken?

Luther: Da versammelte der König Salomo zu sich die Ältesten in Israel, alle Häupter der Stämme und Obersten der Sippen in Israel nach Jerusalem, um die Lade des Bundes des HERRN heraufzubringen aus der Stadt Davids, das ist Zion.

2. Beispiel Hesekiel 11,24

Luther: Und der Geist hob mich empor und brachte mich nach Chaldäa zu den Weggeführten in einem Gesicht durch den Geist Gottes. Und das Gesicht, das ich geschaut hatte, verschwand vor mir.

Haben wir es hier etwa mit zwei Geistern zu tun?

Neue evang. Übersetzung: Mich aber nahm der Geist Gottes und brachte mich zu den Verbannten nach Babylonien zurück. Dann verschwand die Vision.

2.Beispiel 2. Mose 24,1

Elberfelder: Und der HERR sprach zu Mose: Steig zum HERRN herauf, du und Aaron, Nadab und Abihu und siebzig von den Ältesten Israels, und betet an von ferne!

Befiehlt der eine HERR Mose zum anderen HERRN zu gehen?

Neue evangelische Übersetzung: Jahwe hatte zu Mose gesagt: „Steig zu mir herauf und nimm Aaron, Nadab, Abihu und siebzig von den Ältesten Israels mit. Werft euch in gebührender Entfernung vor mir nieder.

3.Beispiel Hosea 1,6

Schlachter: Dagegen will ich mich über das Haus Juda erbarmen und sie retten durch den Herrn, ihren Gott; doch nicht durch Bogen, Schwert und Kampf will ich sie retten, nicht durch Rosse noch Reiter.

Will hier etwa der eine Herr das Volk durch einen anderen Herrn retten?

Neue evangelische Übersetzung: Doch mit den Leuten von Juda will ich Mitleid haben. Ich werde sie retten, denn ich bin Jahwe, ihr Gott. Aber ich tue es nicht durch Bogen, Schwert und Kampf, nicht durch Pferde und Reiter.

4.Beispiel Sacharja 10,12

Schlachter: Und ich will sie stark machen in dem Herrn, und sie werden wandeln in seinem Namen, spricht der Herr.

Will hier etwa der eine Herr durch einen anderen Herrn stark machen?

Gute Nachricht: Durch mich, den Herrn, wird mein Volk stark sein; es wird im Vertrauen auf mich und nach meinen Weisungen leben und bestehen. Das sage ich, der Herr.

Ich kann immer nur wiederholen, dass es wichtig ist, die Hindergründe und sprachlichen Besonderheiten der hebräischen Sprache mitzubeachten. Man sollte sich nicht auf eine Übersetzung verlassen, sondern immer wieder mit anderen vergleichen, um dem Sinn des Textes so nah wie möglich zu kommen.

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Wer ist hier der Sohn?

Matthäus 2,14-15:
Da stand er auf, nahm das Kind und seine Mutter bei Nacht mit sich und entfloh nach Ägypten.Und er blieb dort bis zum Tod des Herodes,
damit erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten geredet hat, der spricht: ‚Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen‘.

Laut dem Neuen Testament ist Jeschua/Jesus dieser Sohn, über den der Prophet prophezeite. Doch bei genauer Betrachtung zeigt sich,

  1. dass der Autor des Neuen Testaments nur einen Teil aus dem Satz im Orginal übernommen hat, um seine Aussage zu bekräftigen.
  2. Im Orginal handelt es sich nicht um eine Prophezeiung, sondern um eine „Zusammenfassung“ von Israels Werdegang.

Hoschea 11,1-2: Als Israel jung war, liebte ich ihn, und aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen. Aber sobald man sie rief, wandten sie sich vom Angesicht der Rufenden ab. Den Baalen opferten sie, und den Götzenbildern räucherten sie.

Auch an diesem Beispiel sehen wir, wie Satzteile herausgenommen werden, um sie einer neuen Theologie anzupassen. Der ursprüngliche Kontext hat nichts mit einem Jeschua/Jesus zu tun.