Wer ist der Knecht in Jesaja 53?

In der christlichen Theologie hat das Kapitel 53 in Jesaja eine zentrale Bedeutung. Dort wird christlicher Meinung nach der Leidensweg, Opfertod und die Erhöhung von Jesus prophezeit.

Somit werden wir den Text unter Einbeziehen des Kontexts und im Vergleich mit dem hebräischen Orginal analysieren um dem nachzugehen.

Bei dem Kapitel 53 handelt es sich um einen Teil eines wunderschönen poetischen Liedes. Es ist das letzte der vier Gottesknechtslieder und beginnt im Kapitel 52,13. In diesen poetischen Liedern geht es nicht um einen Messias, König usw., sondern um das Volk Israel, seinen Schöpfer Jahweh und die anderen Nationen.

  • Das erste Lied vom Gottesknecht   (Jes 42,1-4)
  • Das zweite Lied vom Gottesknecht (Jes 49,1-6)
  • Das dritte Lied vom Gottesknecht   (Jes 50,4-9)
  • Das vierte Lied vom Gottesknecht   (Jes 52,13-53,12)

Diese poetischen Lieder (oder Gedichte) beschreiben den Knecht, den Jahweh wählte,  „um für Gerechtigkeit für die Völker zu sorgen(42:1) und das Volk wieder nach Israel zu führen“ – zurück zu zum Schöpfer (49:5). Dieser Knecht wird auch ein Licht für die Nationen sein“, so dass andere Nationen, Jahwehs rettende Kraft“ (49:6) erkennen werden. Der Knecht in Jesaja wird viel Leid und Demütigung erleiden (50:6; 52:14; 53:3-5,7), wenn er dem Dienst, den Jahweh ihm aufträgt, nachgeht. Das letzte dieser Lieder verdeutlicht, dass auch wenn die Nationen den Knecht als „gefallen“ betrachten, der Knecht seine Mission nicht erreicht und sogar vom Schöpfer verworfen zu sein scheint, er keineswegs verworfen ist, sondern unter seiner Gnade Schutz und Heil erfährt!                                                                                                                                              Doch wer ist dieser Knecht?                                                                                                                                                                                                                                            3.Mose 22,25: Denn die Kinder Israels sind mir dienstbar; sie sind meine Knechte, die ich aus dem Land Ägypten herausgeführt habe; ich, Jahweh, bin eure Mächtige Authorität. Psalm 136,21-22: (..) und ihr Land als Erbe gab; denn seine Gnade währt ewiglich! Als Erbe seinem Knecht Israel; denn seine Gnade währt ewiglich!                                 Jesaja 41,8-9: Du aber, Israel, mein Knecht, Jakob, mein Auserwählter, du Same Abrahams, meines Freundes, den ich von den Enden der Erde ergriffen und aus ihren entferntesten Winkeln berufen habe, und zu dem ich gesprochen habe: Du bist mein Knecht, ich habe dich auserwählt und nicht verworfen                                                    (vgl. Jesaja 42:1u.19, 43:10, 44:1-2 u.21+26, 45:4, 49:3-7, 50:10, 52:13, 53:11)

Um ein besserers Verständnis von dem Kapitel 53 zu bekommen, muss man bei Jesaja 52,13 zu lesen beginnen – dem Anfang des 5. Liedes.

In der Einleitung des vierten Liedes ist auch die Kernaussage dieses poetischen Textes zu finden. Der Knecht (Israel) wird nach seiner Leidenszeit von Jahweh unter den Nationen einen erhabenen Platz haben. Und sogar die Völker, die ja glaubten, Israel sei verworfen, werden über Israels Entwicklung erstaunt sein.

Jesaja 52,13-15: Siehe, mein (Jahwehs) Knecht (Israel) wird einsichtig handeln, er (Israel) wird erhoben sein, erhöht werden und sehr erhaben sein. Gleichwie sich viele (die Nationen) über dich entsetzten, so sehr war sein (Israels) Angesicht entstellt, mehr als das irgendeines Mannes, und seine Gestalt, mehr als die der Menschenkinder, genauso wird er viele Heidenvölker in Erstaunen setzen, und Könige werden vor ihm (Israel) den Mund schließen. Denn was ihnen (den Nationen) nie erzählt worden war, das werden sie (die Nationen) sehen, und was sie nie gehört hatten, werden sie wahrnehmen.

Eine Vers-für-Vers-Analyse

Bei diesen Versen entstehen die Fehldeutungen einer Unkenntnis heraus. Es wird außer Acht gelassen, dass es sich dabei um poetische Gedichte handelt, bei denen mehrere Akteure miteinbezogen sind. Man muss es wie ein Theaterstück sehen, das mit mehreren Rednern (Schauspielern) und Bühnenbildern ausgestattet ist. Der Text soll einen Ausblick darüber geben, wie sich die Nationen in ferner Zukunft  ihre ungerechte Haltung gegenüber Israel eingestehen werden.

1. Wer hätte geglaubt, was uns da berichtet wurde? Und wem ist der Arm Jahwehs offenbart?  (Redner: die Nationen)                                                                                                                                                         In diesem eröffnenden Vers, sind die Herrscher der Nationen über die unglaublichen Nachrichten von Israels Heil schockiert: Wer würde glauben, was wir gehört haben!“          Mit dem „Arm Jahwehs“ ist die Stärke und Macht Jahwehs gemeint, mit der er Israel aus verschiedenen Situationen befreite (z.B. 5.Mose 26,8 aus Ägypten, (vgl. 3.Mose 3:20/ 6:6/14:31 Jesaja 51:9/ 52:10/ 26:8 Jeremiah 21:5/ 27:5 Hesekiel 20:33 Psalm 44:3/ 89:11/ 98:1/ 136.12).                                                                                                                                                   2. Wie ein kümmerlicher Spross wuchs er vor ihm auf, wie ein Trieb aus dürrem Boden. Er war weder stattlich noch schön. Er war unansehnlich, und er gefiel uns nicht.( Redner: die Nationen)

Das Bild von einem kümmerlichen Spross aus dürrer Erde ist eine Metapher für den jüdischen Kampf ums Überleben im Exil. Eine junges Bäumchen im trockenen Boden scheint nicht überlebensfähig. Die Israeliten waren eine kleine Nation, manchmal so klein, dass sie wie vom Aussterben bedroht waren. Hier wird die wundersame Rückkehr Israels aus dem Exil beschrieben. Der Vergleich Israels mit einem „kümmerlichen  Baum“ sind in den hebräischen Schriften öfter zu finden. (vgl. Jesaia 60:21, Hesekiel 19:13, Hosea 14:6-7, Amos 9:15).

3. Verachtet war er und verlassen von den Menschen, ein Mann der Schmerzen und mit Leiden vertraut; wie einer, vor dem man das Angesicht verbirgt, so verachtet war er, und wir achteten ihn nicht. ( Redner: die Nationen)                                                 Dieser Vers beschreibt Israel als verachtet und abgelehnt. Das war und ist ein ständiges Thema für das israelische Volk – viele Völker und Herrscher unterdückten Israel.            (vgl. Jesaja 49:7, 60:15; Psalm 44:14; Nehemia 3:36.)

4. Fürwahr, er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen; wir aber hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt.   (Redner: Die Nationen)                                                                                                         Bei dem vierten Vers reden die Nationen „in ferner Zukunft“, wenn Jahwehs Plan mit Israel den Völkern bewusst geworden sein wird. Sie erkennen „rückwirkend“ die Position und Funktion Israels an (vgl. 5.Mose 7,6/ 14,2/ 26,19)                                                                                                                                                                       5. Doch er wurde wegen unserer Missetaten verwundet, wegen unserer Missetaten zermalmt; die Strafe lag auf ihm, damit wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt worden. (Redner: Die Nationen)                                        Auch dieser Vers ist ein klassisches Beispiel für Übersetzungs- und Deutungsfehler: Der Vers sagt nicht: „Er ist für unsere Missetat verwundet und um unsrer Sünde willen gebrochen“ worden – gleich einem stellvertretendem Opfer und Leiden. Vielmehr ist die richtige Übersetzung: „Er wurde wegen unserer Missetat verwundet und wegen unserer Missetaten zermalmt.“ Somit hat der Knecht gelitten, weil die Völker ihn schlecht behandelt haben und nicht, wie oft behauptet wird, um für die Sünden anderer zu büßen. Der Vers beschreibt, wie die Führer der Welt sich gedemütigt eingestehen, dass Israel wegen ihrer Missetat (wegen dem Hass gegenüber Israel) gelitten hat. Die Nationen dementieren ihre vorherige Behauptung (siehe oben in Jesaja 52:12-13 und 53: 2-5), dass Israel von Gott bestraft/verflucht sei.

Zum Vergleich: Jesaja 54,17: Keiner Waffe, die gegen dich geschmiedet wird, soll es gelingen; und alle Zungen, die sich gegen dich vor Gericht erheben, sollst du schuldig sprechen. Das ist das Erbteil der Knechte Jahwehs und ihre Gerechtigkeit, die ihnen von mir zuteil wird, spricht Jahweh

6. Wir alle gingen in die Irre wie Schafe, jeder wandte sich auf seinen Weg; aber der Herr warf unser aller Schuld auf ihn. (Redner: die Nationen)                                        Die Völker erkennen, dass ihr Handeln gegenüber Israel fehlgeleitet war. Mit den Worten „der Herr warf unser aller Schuld auf ihn“ soll auf poetische Art die Reue der Völker über die lange Leidenszeit Israels gezeigt werden. Sinngemäß bedeutet das, dass der Schuldige nicht so wie der Unschuldige leidet.

7. Er wurde mißhandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer und seinen Mund nicht auftut. (Redner: Die Nationen)                      Die hebräische Bibel verwendet das Bild vom Schafe, (das) zur Schlachtbank geführt (wird)speziell in Bezug auf das jüdische Volk. z.B. wie in Psalm 44:12:                          Du hast uns wie Schafe zum Fraß hingegeben und hast uns unter die Heiden zerstreut.  Und in Vers 23: Ja, um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wie Schlachtschafe sind wir geachtet.                                                                                 Dieser Vers spielt auf die vielen Entbehrungen an – sowohl die physische Qual und die wirtschaftliche Ausbeutung , die die Israeliten in den verschieden Zeitepochen im Exil ertragen mussten.                                                                                                           Antike: durch die Assyrer, Babylonier, Griechen und Römer.                                                Mittelalter: Kreuzritter, Inquisition, Anklage wegen „Gottesmordes“                                      20. Jhd.: NS-Zeit, Holocaust                                                                                                     Auch heute noch ist der „Judenhass“ aktuell in vielen Gesellschaften integriert.

8. Infolge von Drangsal und Gericht wurde er weggenommen; wer will aber sein Geschlecht beschreiben? Denn er wurde aus dem Land der Lebendigen weggerissen; wegen der Übertretung meines Volkes hat SIE ( lamoh לָמוֹ ) Strafe getroffen. (Redner: Die Nationen)                                                                                     Die Phrase, Land der Lebenden“ (Eretz HaChaim) bezieht sich speziell auf das Land Israel. Es bedeutet nicht, dass der Diener getötet wurde, sondern dass er aus dem Land Israel verbannt wurde (vgl. Hesekiel 32:23-27). Dieser Vers beschreibt die Überraschung der Zeugen über die Rückkehr der Israeliten ins Gelobte Land.                                                                                                                                                Die Führer der Nationen (die Redner) bekennen „Wegen meines Volkes Sünde, wurden sie (die Israeliten) bedrängt“. Hier macht der Text deutlich, dass es sich um eine kollektive Nation und nicht um ein einzelnes Individuum handelt. Ich habe das Wort „sie“ im Vers 8 rot gekennzeichnet, um die Pluralform zu verdeutlichen, da gerade das Wort lamoh לָמוֹ  in der christlichen Theologie auf eine Person ( also auf Jesus) hin gedeutet wird.                                                                                                                                        Das hebräische Wort  lamoh לָמוֹ bezieht sich auf eine Gruppe (kollektive Einheit), siehe zum Beispiel                                                                                                             Jesaja 16,4:  Sei ihnen (Israeliten, wörtlich ihm) ein Versteck                                          Jesaja 44,7:  sollen sie ihnen (den Menschen, wörtlich ihm) verkünden!                    Jesaja 48,21: Wasser ließ er ihnen (Israeliten)                                                            Psalm 99,7:  die er ihnen (Israeliten) gab.   

In der hebräischen Schrift wird Israel sehr oft im Singular benannt und auch der Wechsel vom Singular zum Plural ist in der hebräischen Sprache nichts Ungewöhnliches.

Jesaja 43,10: Ihr seid meine Zeugen, spricht Jahweh, und mein Knecht, den ich erwählt habe…                                                                                                                                 Hosea 11,1-2: Als Israel jung war, liebte ich ihn, und aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen. Aber sobald man sie rief, wandten sie sich vom Angesicht der Rufenden ab.

Genau solch einen Wechsel vom Singular zum Plural wie bei den Versen oben findet auch in Jesaja 53 Vers 8 statt.

9. (christliche  Übersetzung) Bei Gottlosen sollte er liegen im Tod, doch ins Steingrab eines Reichen kam er, weil er kein Unrecht  beging und kein unwahres Wort aus seinem Mund kam.

Bestätigt wird diese Aussage im Neuen Testament.                                                            Lukas 23,50-51: Und siehe, ein Mann namens Joseph aus Arimathia, einer Stadt der Juden, der ein Ratsherr war, ein guter und gerechter Mann,der ihrem (der bösen Juden) Rat und Tun nicht zugestimmt hatte, der auch selbst auf das Reich Gottes wartete. Matthäus 27, 57: Als es Abend wurde, kam Josef, ein reicher Mann aus Arimathäa, der auch ein Jünger von Jesus war.                                                                                            In der christlichen Version von Jesaja 53,9 sollte der Knecht bei einem Gottlosen begraben werden, wurde aber dann bei einem Reichen begraben. Hier steht also der Gottlose im Gegensatz zum Reichen da. Laut dem N.T. wurde Jesus bei einem reichen und gerechten Jünger begraben.                                                                                       Das Problem ist nur, dass in der hebräischen Version der Gottlose nicht im Gegensatz zum Reichen steht, sondern die gleiche Person darstellt. Der Gottlose ist durch Ungerechtigkeit zum Reichtum gekommen. (Ein Bild für etwas Schlechtes, Böses)      Jesaja 53,9 (jüdische Übers.): Bei einem Übeltäter gab man sein Grab, bei einem der reich an seinen Todsünden ist, obwohl er keine Gewalt übte und kein Trug in seinem Mund war. (Redner: die Nationen)                                                                                                                                              Die Nationen, die Israel besonders im Exil bedrückten, werden als Übeltäter beschrieben. Somit war Israel den „bösen“ Völkern im Exil ausgesetzt und wurde dort „begraben“. Die Umschreibungen „keine Gewalt übte“ und „kein Trug in seinem Mund war“ bezeichnen nicht die Sündlosigkeit eines Menschen. Mit diesen Worten wird verdeutlicht, dass Israel von Jahweh wieder als gerecht befunden wird (vgl. Zefanja 3:10-20)

10. Doch es gefiel Jahweh ihn mit Krankheit zu schlagen, zu sehen, ob er sich als Schuldopfer präsentieren würde. Wenn er das tut, wird er seine Nachkommen sehen, und er wird seine Tage verlängern, Und was dem Jahweh gefällt, wird durch seine Hand gelingen. (Redner: Der Prophet Jesaja)

Hier spielt  der Prophet Jesaja auf den Bund zwischen Jahweh und Israel an. In diesem Bund (Vertrag) ist Israel eine Verplichtung eingegangen. Bei Nichteinhaltung muss das Volk die Konsequenzen ertragen.                                                                                 5.Mose 30,19-20: Ich rufe heute den Himmel und die Erde als Zeugen gegen euch auf: Das Leben und den Tod habe ich euch vorgelegt, den Segen und den Fluch! So wähle das Leben, damit du lebst, du und deine Nachkommen, indem du Jahweh, deinen MÄCHTIGEN, liebst und seiner Stimme gehorchst und ihm anhängst! Denn das ist dein Leben und die Dauer deiner Tage, dass du in dem Land wohnst, das Jahweh deinen Vätern, Abraham, Isaak und Jakob, geschworen hat, ihnen zu geben.

11. Nach seiner Seele Pein tränkt er sich satt. Durch seine Erkenntnis, macht mein Knecht, der Gerechte viele rechtschaffen, in dem er ihre Verfehlungen selber trug. (Redner: Jahweh)

In diesem Vers weist Jahweh selbst darauf hin, dass die Nationen seine gesunde und gute Lehre durch Israel erkennen werden. Israel wurde ja für einen bestimmten Zweck von Jahweh auserwählt.                                                                                                              2.Mose 19:5-6 Wenn ihr nun wirklich meiner Stimme Gehör schenken und gehorchen werdet und meinen Bund bewahrt, so sollt ihr vor allen Völkern mein besonderes Eigentum sein; denn die ganze Erde gehört mir, ihr aber sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein! Das sind die Worte, die du den Kindern Israels sagen sollst.                                                                                                                              Jesaja 60:3 Und Heidenvölker werden zu deinem Licht kommen, und Könige zu dem Glanz, der über dir aufgeht.                                                                                                     Sacharja 8:13 Und es soll geschehen, wie ihr ein Fluch gewesen seid unter den Heidenvölkern, o Haus Juda und Haus Israel, so will ich euch erretten, daß ihr ein Segen werden sollt. Fürchtet euch nur nicht, sondern stärkt eure Hände!                                Vers 23: So spricht der Herr der Heerscharen: In jenen Tagen wird es geschehen, daß zehn Männer aus allen Sprachen der Heidenvölker einen Juden beim Tzitzit festhalten und zu ihm sagen werden: »Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, daß Gott mit euch ist!                                                                                           Jesaja 2:2 Ja, es wird geschehen am Ende der Tage, da wird der Berg des Hauses Jahwehs festgegründet stehen an der Spitze der Berge, und er wird erhaben sein über alle Höhen, und alle Heiden werden zu ihm strömen.

Die Bezeichnung „gerecht“ wird im Christentum oft fehlinterpretiert. „Gerecht“ bedeutet in der hebräischen Denkweise nicht „sündlos/ schuldlos“ zu sein, was ja kein Mensch von sich behaupten kann. Wenn ein Mensch sich entscheidet Jahwehs Lehre in sein Leben zu integrieren, ist er ein Gerechter. Er wird nach jedem Fehltritt (Ungerechtigkeit, Sünde) umkehren (Reue, Wiedergutmachung) auf den Weg der Gerechtigkeit (Jahwehs Willen).                                                                                                                                                                                12. Deshalb gebe ich ihm seinen Anteil unter den Großen und mit den Mächtigen teilt er die Beute, weil er sein Leben dem Tod preisgab und sich unter die Verbrecher rechnen ließ, wo er doch die Sünden vieler trug und hat sich für ihre Verbrechen treffen lassen (Redner: Jahweh)

Die Worte „die Sünden vieler trug“ beschreiben die Zeit Israels im Exil, wie es den Völkern ausgesetzt war. Es hat nichts mit „Sündenvergebung“ zu tun. Mit „die Verbrecher“ sind die Besatzer gemeint, die Israel gewaltsam knechteten.

Hesekiel 39:10 Man wird kein Holz mehr vom Feld holen und keines in den Wäldern hauen; sondern man wird die Waffen als Brennstoff benützen. Sie werden diejenigen berauben, die sie beraubt haben, und diejenigen plündern, die sie geplündert haben, spricht der MÄCHTIGE Jahweh.

Genauer betrachtet handelt dieser poetische Text weder von einem                     König, einem Messias noch von einem Menschenopfer.

Dieser Text handelt von der Beziehung zwischen dem Schöpfer und dem Volk Israel.  Es geht um die Liebe und Gnade Jahwehs zu Israel.                                                          Somit behandelt Jesaja ein Thema, das sich durch die ganzen hebräischen Schriften durchzieht. Die Fehlinterpretationen entstehen, weil man nicht bedenkt, dass es sich um  eine poetische Sprache handelt, die nicht mit einem Sachbuch zu vergleichen ist. Gerade die Prophetenbücher sind durchzogen von lyrischer Poesie, die mit Metaphern, Personifikationen und anderen Techniken ausgeschmückt sind.

Jeremia 46,27-28: Du aber, mein Knecht Jakob, fürchte dich nicht, und du, Israel, erschrick nicht! Denn siehe, ich rette dich aus einem fernen Land und deine Nachkommen aus dem Land ihrer Gefangenschaft; und Jakob wird heimkehren, ruhig und sicher wohnen, und niemand wird ihn aufschrecken. Fürchte du dich nicht, mein Knecht Jakob, spricht Jahweh; denn ich bin mit dir; denn ich will allen Völkern, unter die ich dich verstoßen habe, ein Ende machen; dir aber werde ich nicht ein Ende machen, sondern dich nach dem Recht züchtigen; doch ganz ungestraft kann ich dich nicht lassen.

Micha 7,15-19: Ich will sie Wunder sehen lassen, wie zu der Zeit, als du aus dem Land Ägypten zogst! Die Heidenvölker werden es sehen und zuschanden werden trotz aller ihrer Macht; sie werden ihre Hand auf den Mund legen, und ihre Ohren werden taub sein.Sie werden Staub lecken wie die Schlange, wie die Kriechtiere der Erde; sie werden zitternd aus ihren Festungen hervorkriechen; angstvoll werden sie zu Jahweh, unserem MÄCHTIGEN, nahen und sich fürchten vor dir. Wer ist so mächtig wie du, der die Sünde vergibt und dem Überrest seines Erbteils die Übertretung erläßt, der seinen Zorn nicht allezeit festhält, sondern Lust an der Gnade hat?

Die Idee, dass Jesus den Knecht aus Jesaja 53 darstellen soll, ist aus dem Kapitel 53 nicht zu entnehmen, dagegen wird das Volk Israel in Jesaja eindeutig als Knecht benannt.

Jesaja 49,3:  Und er sprach zu mir: Du bist mein Knecht, bist Israel, durch den ich mich verherrliche.

 

 

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