Hervorgehoben

Auf diesem Blog werden nach und nach alle relevanten Themen, die mit dem Neuen Testament verknüpft sind, bearbeitet. Da uns regelmäßig Kommentare erreichen, in denen es darum geht, sahen wir die Notwendigkeit, einen Blog zu gründen, der die bestehenden Auslegungen hinterfragt und genauer betrachtet.

Reinigte Jesus den Tempel von den Händlern?

Die Evangelien berichten, dass Jesus den Tempel „reinigte“, in dem er die Geldwechsler und Händler mit aller Härte aus dem Tempel vertrieb und sie als Räuber bezeichnete.

Markus 11, 15-18: Und sie kamen nach Jerusalem. Und Jesus ging in den Tempel und begann die hinauszutreiben, die im Tempel verkauften und kauften; und er stieß die Tische der Wechsler um und die Stühle der Taubenverkäufer. Und er ließ nicht zu, daß jemand ein Gerät durch den Tempel trug.Und er lehrte und sprach zu ihnen: Steht nicht geschrieben: »Mein Haus soll ein Bethaus für alle Völker genannt werden«? Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht!

Mathhäus 21, 12-16: Und Jesus ging in den Tempel Gottes hinein und trieb alle hinaus, die im Tempel verkauften und kauften, und stieß die Tische der Wechsler um und die Stühle der Taubenverkäufer.Und er sprach zu ihnen: Es steht geschrieben: »Mein Haus soll ein Bethaus genannt werden!« Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht!

Lukas 19,45-46: Und er ging in den Tempel hinein und fing an, die Verkäufer und Käufer darin hinauszutreiben,und sprach zu ihnen: Es steht geschrieben: »Mein Haus ist ein Bethaus«. Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht!

Johannes 2, 13-16: Und das Passah der Juden war nahe, und Jesus zog hinauf nach Jerusalem.Und er fand im Tempel die Verkäufer von Rindern und Schafen und Tauben und die Wechsler, die dasaßen.Und er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum Tempel hinaus, samt den Schafen und Rindern, und den Wechslern verschüttete er das Geld und stieß die Tische um;und zu den Taubenverkäufern sprach er: Schafft das weg von hier! Macht nicht das Haus meines Vaters zu einem Kaufhaus!

 

1.
Der Tempelbezirk war ca. 15 ha groß – dort hätten mehrere Fußballfelder reingepasst. Jesus hätte eine Armee gebraucht, um die riesige Menge an Menschen hinaus zu treiben. Zudem hatte der Tempel eigene „Sicherheitsleute“, die dort wachten und der priesterlichen Autorität (Leviten) untergeordnet waren.

2.
Laut drei Evangelien fand das Ereignis kurz vor dem Tod von Jesus statt, doch in Johannes geschah es am Anfang von Jesus Wirken.

3.
Die Händler und Geldwechsler werden im N.T. von Jesus als etwas Negatives dargestellt, als Räuber und Diebe die den Tempel verunreinigen.

Doch in Wirklichkeit…

  • gehörten die Tierhänndler  zu dem Tempelsystem dazu, denn sie verkauften den vielen Israeliten, die von weit herkamen, zugelassene Opfertiere, die keinen Makel hatten.                                                                                                                    5.Mose 17,1: Du sollst Jehowah, deinem Mächtigen, kein Rind und kein Schaf opfern, das einen Fehler oder sonst etwas Schlimmes an sich hat; denn das wäre Jehowah, deinem Mächtigen ein Greuel.
  • Auch die Geldwechsler übten eine sehr wichtige Funktion aus, denn sie bewahrten den heiligen Ort vor der Verunreinigung durch Götzenbilder. Auf den römischen Münzen waren Abbilder von Menschen, die sich als „Götter“ darstellten. Die Geldwechsler tauschten die römischen heidnischen Münzen gegen Münzen aus, auf denen keine Götzenbilder waren.
    4.Mose 14, 24-26: Wenn dir aber der Weg zu weit ist, und du es nicht hintragen kannst, weil der Ort, den Jehowah, dein Mächtiger, erwählen wird, um seinen Namen dorthin zu setzen, dir zu fern ist; wenn nun Jehowah dein Mächtiger, dich segnet, so verkaufe es und binde das Geld in deiner Hand zusammen und geh an den Ort, den Jehowah dein Mächtiger, erwählen wird. Und gib das Geld für das aus, was irgend dein Herz begehrt, es sei für Rinder, Schafe, Wein, starkes Getränk, oder was sonst deine Seele wünscht, und iß dort vor Jehowah deinem Mächtigen, und sei fröhlich, du und dein Haus.

Genauer betrachtet sehen wir, dass die Geschichte in den Evangelien nicht mit der Realität des Tempellebens übereinstimmt. Die Händler und Geldwechsler wurden von den Autoren des N.T. fälschlicherweise als schlecht dargestellt, die dann von dem guten „Jesus“ vertrieben wurden.

Doch in Wirklichkeit haben sie einen sehr wichtigen und notwendigen Dienst verübt! Sie bewahrten den Tempel vor Götzenbildern, Opfertieren die krank waren und verkauften den Israeliten Opfertiere.

Ein neuer Bund?

Aus der christlichen „Welt“ ist immer wieder zu hören, dass diese durch den Glauben an Jesus einen neuen Bund mit dem Schöpfer eingegangen sind, der im Tenach prophezeit wurde. Um diese Sichtweise biblisch zu begründen, bezieht man sich auf die folgenden Verse.

Hebräer 8,7-10: „Nun aber hat er einen um so erhabeneren Dienst erlangt, als er auch der Mittler eines besseren Bundes ist, der aufgrund von besseren Verheißungen festgesetzt wurde. Denn wenn jener erste Bund tadellos gewesen wäre, so wäre nicht Raum für einen zweiten gesucht worden. Denn er tadelt doch, indem er zu ihnen spricht: »Siehe, es kommen Tage, spricht der Herr, da ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund schließen werde; nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern gemacht habe an dem Tag, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus dem Land Ägypten zu führen denn sie sind nicht in meinem Bund geblieben, und ich ließ sie gehen, spricht der Herr sondern das ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel schließen werde nach jenen Tagen, spricht der Herr: Ich will ihnen meine Gesetze in den Sinn geben und sie in ihre Herzen schreiben; und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein.“

Vers 13: „Indem er sagt: »einen neuen«, hat er den ersten Bund für veraltet erklärt; was aber veraltet ist und sich überlebt hat, das wird bald verschwinden.“

In der christlichen Bibel bezieht sich der Autor auf eine Stelle in der jüdischen Bibel (Jeremia 31,31-33), um diese christliche Theologie zu begründen.

Somit wollen wir das Thema aus dem Tenach heraus betrachten, um aufzuzeigen, worum es sich wirklich in diesem Bund handelt und mit wem dieser Bund geschlossen wurde/wird.

Das Wort brit (בְּרִית) bedeutet Bündnis oder sich zu verpflichten, etwas zu versprechen. Das Stammwort ist bara (בָּרָה), was heutzutage mit etwas schaffen oder etwas formen widergegeben wird. Doch konkret bedeutet das Wort bara etwas füllen oder mästen. Ein Beispiel für letzteres finden wir in 1.Samuel 2,29:  „Warum tretet ihr denn meine Schlachtopfer und Speisopfer, die ich für meine Wohnung angeordnet hat, mit Füßen? Und du ehrst deine Söhne mehr als mich, so daß ihr euch mästet von den Erstlingen aller Speisopfer meines Volkes Israel!“  1.Mose 41,4: „Und die hässlichen und mageren fraßen die sieben schönen, fetten Kühe. Da erwachte der Pharao.“

Der Ausspruch einen Bund machen, lautet im Hebräischen karat brit. Das Wort karat bedeutet schneiden. In biblischen Zeiten wurde bei einem Bund ein „fettes“ (gemästetes) Tier geschlachtet und in Stücke zerlegt. Die „Parteien“ des Bündnisses sind dann durch die Stücke gegangen, um zu symbolisieren, dass beim Bruch des Abkommens, dem Schuldigen dasselbe passieren soll, was dem Tier geschehen ist.

1. Mose 15,10: „Und er brachte ihm dies alles und zerteilte es in der Mitte und legte je einen Teil dem andern gegenüber; aber die Vögel zerteilte er nicht.“                                     Verse 17-18:Als nun die Sonne untergegangen und es finster geworden war, siehe, da war ein rauchender Ofen, und eine Feuerflamme fuhr zwischen den Stücken hin. An dem Tage schloss Jahweh einen Bund mit Abram.“

Jeremia 34,18-19: „Und ich will die Leute, die meinen Bund übertreten und die Worte des Bundes nicht halten, den sie vor mir geschlossen haben, so zurichten wie das Kalb, das sie in zwei Stücke geteilt haben und zwischen dessen Stücken sie hindurchgegangen sind, nämlich die Oberen von Juda und von Jerusalem, die Kämmerer, die Priester und das ganze Volk des Landes, alle, die zwischen den Stücken des Kalbes hindurchgegangen sind.“

Im Tenach liest man von vielen verschiedenen Bündnissen zwischen Menschen, Völkern und Jehowah. Doch hauptsächlich wird im Tenach von dem Bund zwischen Jehowah und den Kindern Israels (den Samen Avrahams, Jitzchaqs und Ja’aqovs) gesprochen. In dem Abschnitt von Jirimijahu geht es um den Bund, den Jehowah mit den Kindern Israels am Berg Horeb schloss.

2. Mose 2,24-25: „Und der MÄCHTIGE erhörte ihr Wehklagen, und der MÄCHTIGE gedachte an seinen Bund mit Abraham, Isaak und Jakob.Und der Mächtige sah auf die Kinder Israels, und nahm sich ihrer an.“

2. Mose 19,4-8: „Ihr habt gesehen, was ich an den Ägyptern getan habe, und wie ich euch auf Adlersflügeln getragen und euch zu mir gebracht habe. Wenn ihr nun wirklich meiner Stimme Gehör schenken und gehorchen werdet und meinen Bund bewahrt, so sollt ihr vor allen Völkern mein besonderes Eigentum sein; denn die ganze Erde gehört mir, ihr aber sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein! Das sind die Worte, die du den Kindern Israels sagen sollst. Und Mose kam und rief die Ältesten des Volkes zu sich und legte ihnen alle diese Worte vor, die Jehowah ihm geboten hatte. Da antwortete das ganze Volk miteinander und sprach: Alles, was Jehowah gesagt hat, das wollen wir tun! Und Mose überbrachte Jehowah die Antwort des Volkes.“

Der Bund besteht inhaltlich daraus, dass Jehowah von den Israeliten ihren Gehorsam erwarten, und sie Ihn allein als mächtige Autorität (Elohim) akzeptieren. Dafür werden sie Seine Segnungen wie Schutz, Reichtum und eine besondere Position in der Welt erlangen. Der Bund verpflichtet aber auch.

1. Mose 17,7-11: „Und ich will meinen Bund aufrichten zwischen mir und dir und deinem Samen nach dir von Geschlecht zu Geschlecht als einen ewigen Bund, dein MÄCHTIGER zu sein und der deines Samens nach dir. Und ich will dir und deinem Samen nach dir das Land zum ewigen Besitz geben, in dem du ein Fremdling bist, nämlich das ganze Land Kanaan, und ich will ihr MÄCHTIGER sein. Und der MÄCHTIGE sprach weiter zu Abraham: So bewahre du nun meinen Bund, du und dein Same nach dir, von Geschlecht zu Geschlecht! Das ist aber mein Bund, den ihr bewahren sollt, zwischen mir und euch und deinem Samen nach dir: Alles, was männlich ist unter euch, soll beschnitten werden. Und ihr sollt am Fleisch eurer Vorhaut beschnitten werden.     Das soll ein Zeichen des Bundes sein zwischen mir und euch.“

Verse 13-14: So soll mein Bund an eurem Fleisch sein, ein ewiger Bund. Und ein unbeschnittener Mann, einer, der sich nicht beschneiden läßt am Fleisch seiner Vorhaut, dessen Seele soll ausgerottet werden aus seinem Volk, weil er meinen Bund gebrochen hat!“

 Psalm 105, 8-11: „Er gedenkt auf ewig an seinen Bund, an das Wort, das er ergehen ließ auf tausend Geschlechter hin; an den Bund, den er mit Abraham geschlossen, an seinen Eid, den er Isaak geschworen hat. Er stellte ihn auf für Jakob als Satzung, für Israel als ewigen Bund, als er sprach: »Dir gebe ich das Land Kanaan als das Los eures Erbteils.“

Somit sehen wir, dass der Bund zwischen Jehowah und dem Volk Israel geschlossen wurde, und dieser Bund für immer bestehen wird.

Doch wieso ist dann die Rede von einem neuen Bund in Jeremia, wenn der Bund am Horeb doch ewig gillt? Schauen wir uns mal den Abschnit in Jeremia im Kontext an.

1.

Der Kontext in den Kapiteln 29, 30 und 31 von Jeremia bezieht sich auf das Volk Israel, das in der babylonischen Gefangenschaft lebte.

Jeremia 29,1: „Und dies sind die Worte des Briefes, den der Prophet Jeremia von Jerusalem an den Überrest der Ältesten der Weggeführten sandte, sowie an die Priester und Propheten und an das ganze Volk, das Nebukadnezar von Jerusalem nach Babel weggeführt hatte.“

Vers 10: „Fürwahr, so spricht Jehowah: Wenn die 70 Jahre für Babel gänzlich erfüllt sind, werde ich mich euer annehmen und mein gutes Wort, euch an diesen Ort zurückzubringen, an euch erfüllen.“

Jeremia 30, 1-3: Dies ist das Wort, das von Jehowah an Jeremia erging: So spricht Jehowah, der MÄCHTIGE Israels: Schreibe dir alle Worte, die ich zu dir geredet habe, in ein Buch! Denn siehe, es kommen Tage, spricht Jehowah, da ich das Geschick meines Volkes Israel und Juda wenden werde, spricht Jehowah; und ich werde sie wieder in das Land zurückbringen, das ich ihren Vätern gegeben habe, und sie sollen es in Besitz nehmen.“

Verse 15-19:Was schreist du über deinen Schaden und deinen unheilbaren Schmerz? Weil deine Schuld so groß ist und deine Sünden so zahlreich sind, habe ich dir dies zugefügt! Darum sollen alle, die dich fressen, gefressen werden, und man wird alle deine Feinde gefangen wegführen; alle, die dich plündern, sollen geplündert werden, und alle, die dich berauben, werde ich dem Raub preisgeben. Denn ich will dir Genesung bringen und dich von deinen Wunden heilen, spricht Jehowah, weil sie dich eine »Verstoßene« nennen [und sagen]: »Das ist Zion, nach der niemand fragt! «So spricht Jehowah: Siehe, ich werde das Geschick der Zelte Jakobs wenden und mich über seine Wohnungen erbarmen, und die Stadt soll auf ihrem Hügel wieder erbaut und der Palast wie üblich bewohnt werden; und Loblieder und Freudengesänge sollen von ihnen ausgehen; und ich werde sie mehren und nicht mindern, ich werde sie herrlich machen, und sie sollen nicht unbedeutend sein.“

Wir sehen also, dass das Volk Israel den Bund mit Jehowah gebrochen hat und deshalb zur Gefangenschaft verdammt wurde. Außerdem sehen wir, dass Jehowah sich über sie erbarmen wird und sie wieder in die Freiheit senden wird!

Und so beginnt auch Kapitel 31 dementsprechend.

Jeremia 31,1-4: „Zu jener Zeit, spricht Jehowah, werde ich der MÄCHTIGE aller Geschlechter Israels sein, und sie werden mein Volk sein. So spricht Jehowah: Ein Volk, das dem Schwert entflohen ist, hat Gnade gefunden in der Wüste. Ich will gehen, um Israel zur Ruhe zu bringen! Von Ferne her ist mir Jehowah erschienen: Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt; darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Gnade. Ich will dich wieder aufbauen, ja, du wirst aufgebaut dastehen, du Jungfrau Israel; du sollst dich wieder mit deinen Handpauken schmücken und ausziehen in fröhlichem Reigen.“
Verse 31-35: „Siehe, es kommen Tage, spricht der Jehowah, da ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Jehuda einen neuen Bund schließen werde; nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern schloß an dem Tag, da ich sie bei der Hand ergriff, um sie aus dem Land Mizraim herauszuführen; denn sie haben meinen Bund gebrochen, obwohl ich doch ihr Eheherr war, spricht Jehowah. Sondern das ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel nach jenen Tagen schließen werde, spricht Jehowah:

Ich will meine Torah in ihr Innerstes hineinlegen und sie auf ihre Herzen schreiben, und ich will ihre Mächtige Authorität sein, und sie sollen mein Volk sein;

und es wird keiner mehr seinen Nächsten und keiner mehr seinen Bruder lehren und sagen: »Erkenne den Jehowah!« Denn sie werden mich alle kennen, vom Kleinsten bis zum Größten unter ihnen, spricht Jehowah; denn ich werde ihre Missetat vergeben und an ihre Sünde nicht mehr gedenken!“

2.
Das hebräische Wort, das mit „neuer Bund“ übersetzt wurde, heißt „brit chadascha“.
Das Wort chadascha kommt von dem Stammwort chadasch und bedeutet erneuert, wiederhergestellt und in dem Sinne auch neu.
Das Wort chadscha in anderen Bibelstellen
Psalm 51,10: „Erschaffe mir, Mächtiger, ein reines Herz, und erneuere in mir einen festen Geist!“

Psalm 103,5: „Der mit Gutem sättigt dein Leben. Deine Jugend erneuert sich wie bei einem Adler.“

Klagelieder 5,21: „Bringe uns, Jehowah, zu dir zurück, dass wir wieder heimkommen; erneuere unsre Tage wie vor alters!“

Jesaja 61,4:Und sie werden die uralten Trümmer aufbauen und wieder aufrichten, was vor Zeiten zerstört worden ist; sie werden die verwüsteten Städte erneuern, die von Geschlecht zu Geschlecht in Trümmern lagen.“

Wir sehen ja auch in der ganzen jüdischen Bibel, dass der Bund den Jehowah mit dem Volk Israel am Horeb machte, in dem er dem Volk die Torah gab, sehr oft von dem Volk gebrochen wurde, indem sie Dinge taten, die gegen den Willen Jehowahs waren (siehe zuletzt Jeremia 30,15-19).

Somit macht es natürlich auch Sinn, wenn Jehowah seinen Bund mit dem Volk Israels erneuern oder wiederherstellen wird. Denn Ausprüche wie „Ich will meine Torah in ihr Innerstes hineinlegen und sie auf ihre Herzen schreiben“ und „es wird keiner mehr seinen Nächsten und keiner mehr seinen Bruder lehren und sagen: »Erkenne den Jehowah!« Denn sie werden mich alle kennen“ bedeuten, dass das Volk umkehren wird und den Willen Jehowahs mit Freuden anerkennen und leben wird.

3.

Der Abschnitt zeigt klar und deutlich, dass diese Erneuerung zwischen dem Volk Israel und Jehowah geschehen ist/wird.

Jeremia 31,13: „Siehe, es kommen Tage, spricht der Jehowah, da ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Jehuda einen neuen Bund schließen werde.“

Vers 33: „Sondern das ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel nach jenen Tagen schließen werde, spricht Jehowah..“

Genauer betrachtet handelt der Abschnitt nicht von Jesus als „Bundesmittler“ eines „neuen Bundes. In Jeremia geht es um den einen Bund der am Horeb geschlossen wurde und die Torah als Weisung gegeben wurde. Und genau dieser Bund der ja ewig ist wird mit dem Volk Israel wiederhergestellt und in diesem Sinne erneuert.

Denn die Torah ist das Merkmal (der Vertrag) des Bundes. Somit kann auch jemand, der aus einer anderen Nation kommt, diesem Bund beitreten, wenn er bereit ist sich der Verpflichtung Israels anzuschließen. Diese besteht darin, Jehowahs Torah in sein Leben zu integrieren und ihn allein als mächtige Autorität (Elohim) zu akzeptieren.

LG Chofschi

Sündenvergebung [ Teil 2 ]

[ Teil 1 ]

Im ersten Teil dieser Arbeit konnten wir bereits feststellen, dass nicht das Blut für die Vergebung der Sünde sorgt und dass die Torah zwischen unabsichtlicher und absichtlicher Übertretung unterscheidet.

 

Unabhängig von diesen klaren Indizien, die gegen die Richtigkeit der Behauptung aus Hebräer 9:22 sprechen, existiert in der christlichen Theologie (sowohl Mainstream als auch Splittergruppen wie „hebrew roots“, „Nazarener“ oder „messianisch“ usw.) die Annahme, dass immer jemand oder etwas (im sogenannten alten Bund waren es Tiere, im sogenannten neuen Bund Jesus) Unschuldiges sterben muss, um mit seinem Blut den Übertreter freizukaufen.

Dieses Konzept wird die „stellvertrende Sühne“ genannt.

 

Erneut sollte ein Blick in den Tanach für Klarheit sorgen.

In Hesekiel Kapitel 33 sind die Worte des Propheten des Ewigen von Israel wie folgt notiert:

 

Hes 33:1  Und das Wort des HERRN geschah zu mir so:

Hes 33:2  Menschensohn, rede zu den Söhnen deines Volkes, und sage zu ihnen: Wenn ich das Schwert über ein Land bringe, und das Volk des Landes nimmt einen Mann aus seiner Gesamtheit und setzt ihn sich als Wächter ein,

Hes 33:3  und er sieht das Schwert über das Land kommen und stösst ins Horn und warnt das Volk,

Hes 33:4  wenn [dann] einer den Schall des Horns hört, sich aber nicht warnen lässt, und das Schwert kommt und rafft ihn weg: so wird sein Blut auf seinem Kopf bleiben.

Hes 33:5  Er hat den Schall des Horns gehört, hat sich aber nicht warnen lassen; sein Blut wird auf ihm bleiben. Doch hat er sich warnen lassen, so hat er seine Seele gerettet.

Hes 33:6  Wenn aber der Wächter das Schwert kommen sieht, und er stösst nicht ins Horn, und das Volk wird nicht gewarnt, und das Schwert kommt und rafft von ihnen eine Seele weg: so wird dieser um seiner Schuld willen weggerafft; aber sein Blut werde ich von der Hand des Wächters fordern.

Hes 33:7  Dich nun, Menschensohn, habe ich als Wächter für das Haus Israel eingesetzt. Du sollst das Wort aus meinem Mund hören und sie vor mir warnen.

Hes 33:8  Wenn ich zu dem Gottlosen sage: `Du Gottloser, du musst sterben!, du aber redest nicht, um den Gottlosen vor seinem Weg zu warnen, so wird er, der Gottlose, um seiner Schuld willen sterben; aber sein Blut werde ich von deiner Hand fordern.

Hes 33:9  Wenn du jedoch den Gottlosen vor seinem Weg warnst, damit er von ihm umkehrt, er aber von seinem Weg nicht umkehrt, so wird er um seiner Schuld willen sterben; du aber hast deine Seele gerettet.

Hes 33:10  Und du, Menschensohn, sage zum Haus Israel: So sprecht ihr und sagt: Unsere Vergehen und unsere Sünden sind auf uns, und in ihnen schwinden wir dahin. Wie könnten wir leben?

Hes 33:11  Sage zu ihnen: So wahr ich lebe, spricht der Herr, HERR: Wenn ich Gefallen habe am Tod des Gottlosen! Wenn nicht vielmehr daran, dass der Gottlose von seinem Weg umkehrt und lebt! Kehrt um, kehrt um von euren bösen Wegen! Ja, warum wollt ihr sterben, Haus Israel?

Hes 33:12  Und du, Menschensohn, sage zu den Söhnen deines Volkes: Die Gerechtigkeit des Gerechten wird ihn nicht retten am Tag seines Vergehens; und die Gottlosigkeit des Gottlosen – er wird durch sie nicht stürzen an dem Tag, da er von seiner Gottlosigkeit umkehrt. Und [die Gerechtigkeit des] Gerechten – er wird durch sie nicht leben können an dem Tag, da er sündigt.

Hes 33:13  Wenn ich dem Gerechten sage: `Leben soll er!, und er verlässt sich auf seine Gerechtigkeit und tut Unrecht, so wird all seiner gerechten Taten nicht gedacht werden, sondern um seines Unrechts willen, das er getan hat, deswegen wird er sterben.

Hes 33:14  Wenn ich aber zum Gottlosen sage: Sterben musst du! und er kehrt von seiner Sünde um und übt Recht und Gerechtigkeit,

Hes 33:15  [so dass] der Gottlose das Pfand zurückgibt, Geraubtes erstattet, in den Ordnungen, [die] zum Leben [führen], lebt, ohne Unrecht zu tun, so soll er am Leben bleiben, er soll nicht sterben.

Hes 33:16  All seiner Sünden, die er begangen hat, soll ihm nicht gedacht werden; Recht und Gerechtigkeit hat er geübt: er soll am Leben bleiben.

Hes 33:17  Und die Söhne deines Volkes sagen: Der Weg des Herrn ist nicht recht, wo doch ihr eigener Weg nicht recht ist.

Hes 33:18  Wenn der Gerechte von seiner Gerechtigkeit umkehrt und Unrecht tut, so wird er deswegen sterben.

Hes 33:19  Und wenn der Gottlose von seiner Gottlosigkeit umkehrt und Recht und Gerechtigkeit übt, so wird er um ihretwillen leben.

(Elberfelder Übersetzung 1985)

 

Diesen Versen zufolge hat jeder Mensch Verantwortung für sich selbst und kann seine Schuld nicht auf jemand anderen laden.

Die Verse acht und neun machen das sehr deutlich. Der Wächter warnt sein Volk nicht (Vers 8), ist somit für den Tod des Anderen verantwortlich aufgrund seines Nichthandelns.

Der Gottlose, der gewarnt werden sollte, dass er doch umkehren möge, stirbt aufgrund seiner Gottlosigkeit.

Noch deutlicher wird es im zweiten Szenario (Vers 9). Der Wächter warnt, doch der Gottlose kehrt trotz Ermahnung nicht um, so stirbt der Gottlose ebenfalls wegen seiner Übertretung (Gottlosigkeit). Der Wächter jedoch hat seine Aufgabe erfüllt und trägt somit keine Schuld.

 

Das Prinzip der Selbstverantwortung wird bereits zu Beginn der Torah etabliert. Dadurch, dass Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen aßen (1. Mose 3), kam nicht wie häufig behauptet, die sogenannte Erbsünde oder der sogenannte Sündenfall der Menschheit zustande, sondern dem Menschen wurde, durch sein erlangtes Wissen um Gutes und Böses, die Verantwortung das Gute zu wählen, zugesprochen.

 

1Mo 4:3  Und es geschah nach einiger Zeit, da brachte Kain von den Früchten des Ackerbodens dem HERRN eine Opfergabe.

1Mo 4:4  Und Abel, auch er brachte von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett. Und der HERR blickte auf Abel und auf seine Opfergabe;

1Mo 4:5  aber auf Kain und auf seine Opfergabe blickte er nicht. Da wurde Kain sehr zornig, und sein Gesicht senkte sich.

1Mo 4:6  Und der HERR sprach zu Kain: Warum bist du zornig, und warum hat sich dein Gesicht gesenkt?

1Mo 4:7  Ist es nicht [so], wenn du recht tust, erhebt es sich? Wenn du aber nicht recht tust, lagert die Sünde vor der Tür. Und nach dir wird ihr Verlangen sein, du aber sollst über sie herrschen.

(Elberfelder Übersetzung 1985)

 

Zwei Dinge sind in diesen fünf Versen zu beobachten:

 

1. Opfergaben wurden weder von Gott initiiert noch verlangt oder befohlen – es war den Menschen von Anfang an ein Bedürfnis, Gott diesedarzubringen. Allerdings taten sie das nicht um der Opfer selbst Willen, sondern brachten Opfergaben aufgrund der verübten Gerechtigkeit dar. (vgl. Jesaja 1; Psalm 51; Sprüche 21:3;Micha 6:6-8)

 

2. Trotz des Opfers, das Kain bringt, wird er von Gott unterwiesen, der ihm nahelegt, dass nicht sein Opfer entscheidend ist, sondern das Richtige, das Gute zu tun (Vers 7).

 

Doch Kain zeigt sich zunächst nicht einsichtig und bestätigt, im negativen Sinne, was er zuvor von Gott gelehrt bekam.

 

1Mo 4:8  Und Kain sprach zu seinem Bruder Abel. Und es geschah, als sie auf dem Feld waren, da erhob sich Kain gegen seinen Bruder Abel und erschlug ihn.

1Mo 4:9  Und der HERR sprach zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel? Und er sagte: Ich weiß nicht. Bin ich meines Bruders Hüter?

1Mo 4:10  Und er sprach: Was hast du getan! Horch! Das Blut deines Bruders schreit zu mir vom Ackerboden her.

1Mo 4:11  Und nun, verflucht seist du von dem Ackerboden hinweg, der seinen Mund aufgerissen hat, das Blut deines Bruders von deiner Hand zu empfangen!

1Mo 4:12  Wenn du den Ackerboden bebaust, soll er dir nicht länger seine Kraft geben; unstet und flüchtig sollst du sein auf der Erde!

1Mo 4:13  Da sagte Kain zu dem HERRN: Zu groß ist meine Strafe (besser übers. Vergehen, Schuld, Sünde), als dass ich sie tragen könnte.

1Mo 4:14  Siehe, du hast mich heute von der Fläche des Ackerbodens vertrieben, und vor deinem Angesicht muss ich mich verbergen und werde unstet und flüchtig sein auf der Erde; und es wird geschehen: jeder, der mich findet, wird mich erschlagen.

1Mo 4:15  Der HERR aber sprach zu ihm: Nicht so, jeder, der Kain erschlägt – siebenfach soll er gerächt werden! Und der HERR machte an Kain ein Zeichen, damit ihn nicht jeder erschlüge, der ihn fände.

1Mo 4:16  So ging Kain weg vom Angesicht des HERRN und wohnte im Land Nod, östlich von Eden.

(Elberfelder Übersetzung 1985)

 

 

Nach dem Mord an seinem Bruder Abel, wird Kain vom Allmächtigen zur Rede gestellt, wobei der Mörder seine Schuld bekennt (Vers 13) und daraufhin Gottes Schutz (Vergebung) erhält (Vers 15). Das Zeichen, dass Kain erhält, ist nicht etwa ein Mal auf seiner Stirn o. Ä., sondern dass niemand ihn erschlagen werde. Aufgrund seiner Einsicht bewahrt Gott ihn davor, das gleiche Schicksal wie sein Bruder zu erleiden.

Erneut eine klare Betonung der Torah auf Einsicht und Reue / Umkehr.

 

Kehren wir ins Buch des Propheten Hesekiel zurück.

 

Hes 18:1  Und das Wort des HERRN geschah zu mir so:

Hes 18:2  Was habt ihr, dass ihr dieses Sprichwort im Land Israel gebraucht und sprecht: Die Väter essen unreife Trauben, und die Zähne der Söhne werden stumpf?

Hes 18:3  So wahr ich lebe, spricht der Herr, HERR, wenn ihr diesen Spruch in Israel noch gebraucht!

Hes 18:4  Siehe, alle Seelen gehören mir; wie die Seele des Vaters, so auch die Seele des Sohnes. Sie gehören mir. Die Seele, die sündigt, sie [allein] soll sterben.

Hes 18:5  Und wenn jemand gerecht ist und Recht und Gerechtigkeit übt,

Hes 18:6  auf den Bergen nicht isst und seine Augen nicht erhebt zu den Götzen des Hauses Israel und die Frau seines Nächsten nicht unrein macht und einer Frau [zur Zeit ihrer] Unreinheit nicht naht

Hes 18:7  und niemanden unterdrückt, das Pfand des Schuldners zurückgibt, keinen Raub begeht, sein Brot dem Hungernden gibt und den Nackten mit Kleidung bedeckt,

Hes 18:8  auf Zins nicht gibt und Aufschlag nicht nimmt, seine Hand vom Unrecht zurückhält, rechtes Gericht übt zwischen Mann und Mann,

Hes 18:9  in meinen Ordnungen lebt und meine Rechtsbestimmungen hält, um [sie] getreu zu befolgen: gerecht ist er. Leben soll er, spricht der Herr, HERR. –

Hes 18:10  Zeugt er aber einen gewalttätigen Sohn, der Blut vergiesst und eines von diesen [Dingen] tut –

Hes 18:11  er selbst aber hat alles das nicht getan -, wenn [der] sogar auf den Bergen isst und die Frau seines Nächsten unrein macht,

Hes 18:12  den Elenden und den Armen unterdrückt, Raub an sich reisst, das Pfand nicht zurückgibt und seine Augen zu den Götzen erhebt, Greuel verübt,

Hes 18:13  auf Zins gibt und Aufschlag nimmt: sollte er leben? Er soll nicht leben! All diese Greuel hat er verübt: er muss getötet werden, sein Blut wird auf ihm sein.

Hes 18:14  Und siehe, der zeugt einen Sohn, und dieser sieht alle Sünden seines Vaters, die der tut; er sieht [sie] und tut nicht desgleichen:

Hes 18:15  Er isst nicht auf den Bergen und erhebt seine Augen nicht zu den Götzen des Hauses Israel, er macht nicht die Frau seines Nächsten unrein,

Hes 18:16  und er unterdrückt niemanden, pfändet kein Pfand und begeht keinen Raub, er gibt dem Hungernden sein Brot und bedeckt den Nackten mit Kleidung,

Hes 18:17  er hält seine Hand vom Unrecht zurück, nimmt weder Zins noch Aufschlag, er befolgt meine Rechtsbestimmungen, lebt in meinen Ordnungen: der wird nicht wegen der Schuld seines Vaters sterben. Leben soll er!

Hes 18:18  Sein Vater, weil er Erpressung verübt, am Bruder Raub begangen und das, was nicht gut war, inmitten seines Volkes getan hat: siehe, er [allein] soll um seiner Schuld willen sterben.

Hes 18:19  Ihr aber sagt: `Warum trägt der Sohn nicht an der Schuld des Vaters [mit]? Dabei hat der Sohn [doch] Recht und Gerechtigkeit geübt, hat alle meine Ordnungen bewahrt und sie getan: Leben soll er!

Hes 18:20  Die Seele, die sündigt, sie soll sterben. Ein Sohn soll nicht an der Schuld des Vaters [mit-]tragen, und ein Vater soll nicht an der Schuld des Sohnes [mit-]tragen. Die Gerechtigkeit des Gerechten soll auf ihm sein, und die Gottlosigkeit des Gottlosen soll auf ihm sein.

Hes 18:21  Wenn aber der Gottlose umkehrt von all seinen Sünden, die er getan hat, und alle meine Ordnungen bewahrt und Recht und Gerechtigkeit übt: leben soll er [und] nicht sterben.

Hes 18:22  All seine Vergehen, die er begangen hat, sollen ihm nicht angerechnet werden; um seiner Gerechtigkeit willen, die er geübt hat, soll er leben.

Hes 18:23  Sollte ich wirklich Gefallen haben am Tod des Gottlosen, spricht der Herr, HERR, nicht [vielmehr] daran, dass er von seinen Wegen umkehrt und lebt?

Hes 18:24  Wenn aber ein Gerechter von seiner Gerechtigkeit umkehrt und Unrecht tut nach all den Greueln, die der Gottlose verübt hat – tut er es, sollte er leben? -: An all seine gerechten Taten, die er getan hat, soll nicht gedacht werden. Wegen seiner Untreue, die er begangen, und wegen seiner Sünde, die er getan hat, ihretwegen soll er sterben.

Hes 18:25  Aber ihr sagt: `Der Weg des Herrn ist nicht recht. Hört doch, Haus Israel: Ist mein Weg nicht recht? Sind nicht [vielmehr] eure Wege nicht recht?

Hes 18:26  Wenn ein Gerechter von seiner Gerechtigkeit umkehrt und Unrecht tut und um dieser [Sünden] willen stirbt, so stirbt er wegen seines Unrechts, das er getan hat.

Hes 18:27  Wenn aber ein Gottloser von seiner Gottlosigkeit, die er begangen hat, umkehrt und Recht und Gerechtigkeit übt: er wird seine Seele am Leben erhalten.

Hes 18:28  Sieht er es ein und kehrt er um von all seinen Vergehen, die er begangen hat: leben soll er [und] nicht sterben. –

Hes 18:29  Aber das Haus Israel sagt: `Der Weg des Herrn ist nicht recht. Sind meine Wege nicht recht, Haus Israel? Sind nicht [vielmehr] eure Wege nicht recht?

Hes 18:30  Darum werde ich euch richten, Haus Israel, jeden nach seinen Wegen, spricht der Herr, HERR. Kehrt um und wendet euch ab von allen euren Vergehen, dass es euch nicht ein Anstoss zur Schuld wird!

Hes 18:31  Werft von euch alle eure Vergehen, mit denen ihr euch vergangen habt, und schafft euch ein neues Herz und einen neuen Geist! Ja, wozu wollt ihr sterben, Haus Israel?

Hes 18:32  Denn ich habe kein Gefallen am Tod dessen, der sterben muss, spricht der Herr, HERR. So kehrt um, damit ihr lebt!

(Elberfelder Übersetzung 1985)

 

Der Vater ist nicht für die Sünden seines Sohnes verantwortlich und umgekehrt.

 

2Mo 20:5  Du sollst dich vor ihnen nicht niederwerfen und ihnen nicht dienen. Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott, der die Schuld der Väter heimsucht an den Kindern, an der dritten und vierten [Generation] von denen, die mich hassen,

2Mo 20:6  der aber Gnade erweist an Tausenden [von Generationen] von denen, die mich lieben und meine Gebote halten.

 

 

Die Worte Hesekiels richten sich an das Volk Israel und fordern immer wieder zur Umkehr von den gottlosen Wegen auf. Da die Israeliten nun die Torah kannten, dennoch entgegen ihrer Lehre lebten, lässt sich erkennen, dass sie absichtlich Übertretungen begingen.

Das führt nun (im nächsten Teil) zu den Vergehen von David Ha’Melech (König David) und wie ihm von Gott vergeben wurde.

[ Teil 3 folgt ]

Sündenvergebung [ Teil 1 ]

„…und ohne Blutvergießen gibt es keine Vergebung.“?

Hebr. 9:22 (Elberfelder Übersetzung 2006)

Dieser (halbe) Vers aus dem Neuen Testament / der christlichen Bibel fungiert in christlichen Denominationen als Grundlage der Lehre zur Sündenvergebung und vermittelt den Eindruck, dass nur durch Blutvergießen bzw. Tieropfer dieselbe erlangt werden kann.

Woher kommt diese Idee?

Aufgrund der Tatsache, dass das Neue Testament das Alte Testament als heilige Schrift / Schriften / Gesetz und Propheten anerkennt und beschreibt (Mat. 21:42; Mat. 22:29; Mat. 26:54/56; Mar. 12:24; Mar. 14:49; Luk. 24:27/32/45; Joh. 5:39/47; Apg. 17:2/11; Apg. 18:24/28; Röm. 1:2; Röm. 15:4; Röm. 16:26; 1.Kor. 15:3-4; 2.Ti. 3:15; 2.Pe. 3:16), sollte man meinen, dass diese neutestamentliche Lehre der Vergebung sich eindeutig aus dem Tanach ableiten ließe.

Genau dieser Spur möchte ich in dieser Arbeit folgen und die Richtigkeit oder Falschheit dieser Grundsatzthese, auf Basis der jüdischen / hebräischen Bibel, überprüfen.

Die o.g. Stelle aus dem neuen Testament (Hebr. 9:22) hat in vielen Studienbibeln einen Verweis auf 3. Mose Kap. 16. In diesem Abschnitt der Torah finden wir eine detailreiche Beschreibung der rituellen Handlungen der Priester – insbesondere des Hohenpriesters – und Leviten und des Volkes Israel, am Versöhnungstag.

3Mo 16:1  Und der HERR redete zu Mose nach dem Tod der beiden Söhne Aarons, als sie vor den HERRN traten und starben.

3Mo 16:2  Und der HERR sprach zu Mose: Rede zu deinem Bruder Aaron, dass er nicht zu jeder Zeit in das Heiligtum hineingeht innerhalb des Vorhangs, vor die Deckplatte, die auf der Lade ist, damit er nicht stirbt. Denn ich erscheine in der Wolke über der Deckplatte.

3Mo 16:3  Auf diese Weise soll Aaron in das Heiligtum hineingehen: mit einem Jungstier für das Sündopfer und einem Widder für das Brandopfer.

3Mo 16:4  Er soll einen heiligen Leibrock aus Leinen anziehen, und leinene Beinkleider sollen auf seinem Fleisch sein, und mit einem leinenen Gürtel soll er sich umgürten und einen Kopfbund aus Leinen sich umbinden: das sind heilige Kleider. Er soll sein Fleisch im Wasser baden und sie [dann] anziehen.

3Mo 16:5  Und von der Gemeinde der Söhne Israel soll er zwei Ziegenböcke nehmen für das Sündopfer und einen Widder für das Brandopfer.

3Mo 16:6  Und Aaron soll den Jungstier des Sündopfers, der für ihn ist, herbeibringen und Sühnung erwirken für sich und für sein Haus.

3Mo 16:7  Und er soll die zwei Ziegenböcke nehmen und sie an den Eingang des Zeltes der Begegnung vor den HERRN stellen.

3Mo 16:8  Und Aaron soll Lose werfen über die zwei Ziegenböcke, ein Los für den HERRN und ein Los für Asasel.

3Mo 16:9  Und Aaron soll den Ziegenbock herzubringen, auf den das Los für den HERRN gefallen ist, und ihn als Sündopfer opfern.

3Mo 16:10  Und der Ziegenbock, auf den das Los für Asasel gefallen ist, soll lebendig vor den HERRN gestellt werden, um für ihn Sühnung zu erwirken, um ihn für Asasel in die Wüste fortzuschicken.

3Mo 16:11  Und Aaron bringe den Jungstier des Sündopfers, der für ihn ist, herbei und tue Sühnung für sich und für sein Haus und schlachte den Jungstier des Sündopfers, der für ihn ist.

3Mo 16:12  Und er nehme eine Pfanne voll Feuerkohlen von dem Altar vor dem HERRN und seine beiden Hände voll von wohlriechendem, kleingestossenem Räucherwerk und bringe es [in den Raum] innerhalb des Vorhangs.

3Mo 16:13  Und er lege das Räucherwerk auf das Feuer vor den HERRN, damit die Wolke des Räucherwerks die Deckplatte, die auf dem Zeugnis ist, bedeckt und er nicht stirbt.

3Mo 16:14  Und er nehme [etwas] von dem Blut des Jungstiers und sprenge [es] mit seinem Finger auf die Vorderseite der Deckplatte nach Osten zu, und vor die Deckplatte soll er siebenmal [etwas] von dem Blut mit seinem Finger sprengen.

3Mo 16:15  Und er schlachte den Ziegenbock des Sündopfers, der für das Volk ist, und bringe sein Blut [in den Raum] innerhalb des Vorhangs und tue mit seinem Blut ebenso, wie er mit dem Blut des Jungstiers getan hat, und sprenge es auf die Deckplatte und vor die Deckplatte.

3Mo 16:16  Und er erwirke Sühnung für das Heiligtum wegen der Unreinheiten der Söhne Israel und wegen ihrer Vergehen, nach allen ihren Sünden. Und ebenso soll er für das Zelt der Begegnung tun, das sich bei ihnen befindet mitten in ihren Unreinheiten.

3Mo 16:17  Und kein Mensch soll in dem Zelt der Begegnung sein, wenn er hineingeht, um Sühnung im Heiligtum zu erwirken, bis er herauskommt. So erwirke er Sühnung für sich und für sein Haus und für die ganze Versammlung Israels.

3Mo 16:18  Und er soll hinausgehen zu dem Altar, der vor dem HERRN ist, und für ihn Sühnung erwirken. Und er nehme [etwas] von dem Blut des Jungstiers und von dem Blut des Ziegenbocks und tue es ringsherum an die Hörner des Altars.

3Mo 16:19  Und er sprenge [etwas] von dem Blut siebenmal mit seinem Finger an ihn und reinige ihn und heilige ihn von den Unreinheiten der Söhne Israel.

3Mo 16:20  Und hat er die Sühnung des Heiligtums und des Zeltes der Begegnung und des Altars vollendet, dann soll er den lebenden Ziegenbock herbeibringen.

3Mo 16:21  Und Aaron lege seine beiden Hände auf den Kopf des lebenden Ziegenbocks und bekenne auf ihn alle Schuld der Söhne Israel und all ihre Vergehen nach allen ihren Sünden. Und er lege sie auf den Kopf des Ziegenbocks und schicke ihn durch einen bereitstehenden Mann fort in die Wüste,

3Mo 16:22  damit der Ziegenbock all ihre Schuld auf sich trägt in ein ödes Land; und er schicke den Ziegenbock in die Wüste.

3Mo 16:23  Und Aaron soll in das Zelt der Begegnung hineingehen und die Kleider aus Leinen ausziehen, die er anzog, als er in das Heiligtum hineinging, und soll sie dort niederlegen.

3Mo 16:24  Und er soll an heiliger Stätte sein Fleisch im Wasser baden und seine Kleider anziehen. Und er soll herauskommen und sein Brandopfer und das Brandopfer des Volkes opfern und [so] für sich und für das Volk Sühnung erwirken.

3Mo 16:25  Und das Fett des Sündopfers soll er auf dem Altar in Rauch aufgehen lassen.

3Mo 16:26  Und wer den Ziegenbock für Asasel fortschickt, soll seine Kleider waschen und sein Fleisch im Wasser baden. Danach darf er ins Lager kommen.

3Mo 16:27  Und den Jungstier des Sündopfers und den Ziegenbock des Sündopfers, deren Blut hineingebracht worden ist, um im Heiligtum Sühnung zu erwirken, soll man hinausbringen nach draussen vor das Lager und ihre Häute und ihr Fleisch und ihren Mageninhalt mit Feuer verbrennen.

3Mo 16:28  Und der sie verbrennt, soll seine Kleider waschen und sein Fleisch im Wasser baden; danach darf er ins Lager kommen.

3Mo 16:29  Und dies soll euch zu einer ewigen Ordnung sein: Im siebten Monat, am Zehnten des Monats, sollt ihr euch selbst demütigen und keinerlei Arbeit tun, der Einheimische und der Fremde, der in eurer Mitte als Fremder wohnt.

3Mo 16:30  Denn an diesem Tag wird man für euch Sühnung erwirken, um euch zu reinigen: von all euren Sünden werdet ihr rein sein vor dem HERRN.

3Mo 16:31  Ein Sabbat völliger Ruhe soll er euch sein, und ihr sollt euch selbst demütigen – eine ewige Ordnung.

3Mo 16:32  Und der Priester soll Sühnung erwirken, den man salben wird und dem man die Hand füllt, damit er den Priesterdienst an seines Vaters Statt ausübt. Er soll die Kleider aus Leinen anziehen, die heiligen Kleider,

3Mo 16:33  und er soll Sühnung erwirken für das heilige Heiligtum und für das Zelt der Begegnung. Und für den Altar soll er Sühnung erwirken, und für die Priester und für das ganze Volk der Gemeinde soll er Sühnung erwirken.

3Mo 16:34  Das soll euch zu einer ewigen Ordnung sein, für die Söhne Israel einmal im Jahr Sühnung zu tun wegen all ihrer Sünden. Und er tat [es], ganz wie der HERR dem Mose geboten hatte.

(Elberfelder Übersetzung 1985)

In den hier hervorgehobenen Passagen dieses Kapitels wird deutlich, dass das Blut der Opfertiere (der Stier und die beiden Böcke) zur rituellen Reinigung der heiligen Geräte (Bundeslade, Altar usw.) und der gesamten Mishkan (Stiftshütte / Zelt der Begegnung) auf bestimmte Weise vom Hohepriester auf die heiligen Geräte gesprengt wurde. Die Sühnung erfolgt aufgrund der Reinigung. Denn nach dem Ritual des Sündopfers für das gesamte Volk, werden die Sünden des Volkes nun auf den Bock für Asasel übertragen. Doch dieser Bock bleibt lebendig und wird verjagt. Er trägt also die Sünden fort, es wird aber keine Sühnung dadurch erwirkt, dass dieser Bock sterben muss.

Lesen wir als nächstes eine weitere Passage der Torah, die von Opfern und speziell von Sündopfern spricht.

Im vierten und fünften Kapitel von Leviticus (3. Mose) finden wir einen entscheidenden Hinweis darauf, dass Sünde nicht gleich Sünde ist.

3Mo 4:1  Und der HERR redete zu Mose:

3Mo 4:2  Rede zu den Söhnen Israel und sage: Wenn jemand aus Versehen sündigt gegen [irgend etwas], was der HERR zu tun verboten hat, und irgendeines von ihnen tut, –

3Mo 4:3  wenn der gesalbte Priester sündigt zur Schuld des Volkes, dann soll er für seine Sünde, die er begangen hat, dem HERRN einen Jungstier ohne Fehler als Sündopfer darbringen!

(Elberfelder Übersetzung 1985)

Die Torah geht hier ganz speziell auf unabsichtlich begangene Sünden ein.

3Mo 4:13  Und wenn die ganze Gemeinde Israel aus Versehen sündigt, und die Sache ist verborgen vor den Augen der Versammlung, und sie tun irgend etwas von alledem, was der HERR zu tun verboten hat, und werden schuldig,

3Mo 4:14  wird dann die Sünde erkannt, mit der sie sich dagegen versündigt haben, dann soll die Versammlung einen Jungstier als Sündopfer darbringen, und sie sollen ihn vor das Zelt der Begegnung bringen.

3Mo 4:22  Wenn ein Fürst sündigt und tut aus Versehen [irgend etwas] von alledem, was der HERR, sein Gott, zu tun verboten hat, und wird schuldig,

3Mo 4:23  und seine Sünde, mit der er gesündigt hat, wird ihm zu Bewusstsein gebracht, dann soll er seine Opfergabe bringen, einen Ziegenbock, ein Männchen ohne Fehler.

3Mo 4:27  Und wenn jemand vom Volk des Landes aus Versehen sündigt, indem er eines von dem tut, was der HERR zu tun verboten hat, und schuldig wird,

3Mo 4:28  und seine Sünde, die er begangen hat, wird ihm zu Bewusstsein gebracht, dann soll er seine Opfergabe bringen, eine weibliche Ziege ohne Fehler, für seine Sünde, die er begangen hat.

(Elberfelder Übersetzung 1985)

Für diese Art Sünde bringt der Betroffene dann ein Opfer dar, wenn er seine Übertretung erkannt hat, was in Kapitel 5 weiterhin verdeutlicht wird.

3Mo 5:3  Oder wenn er die Unreinheit eines Menschen anrührt, was seine Unreinheit auch sei, durch die er unrein wird, und es ist ihm verborgen, – erkennt er es, dann ist er schuldig.

3Mo 5:4  Oder wenn jemand schwört, indem er unbesonnen mit den Lippen redet, Böses oder Gutes zu tun, nach allem was ein Mensch mit einem Schwur unbesonnen reden mag, und es ist ihm verborgen, – erkennt er es, dann ist er schuldig in einem von diesen.

3Mo 5:5  Und es soll geschehen, wenn er in einem von diesen [Dingen] schuldig wird, dann bekenne er, worin er gesündigt hat

3Mo 5:6  und er bringe dem HERRN sein Schuldopfer für seine Sünde, die er begangen hat: ein weibliches [Tier] vom Kleinvieh, ein Schaf oder eine Ziege, zum Sündopfer. So soll der Priester wegen seiner Sünde Sühnung für ihn erwirken.

(Elberfelder Übersetzung 1985)

Basierend auf diesen Textstellen können wir bereits die Tendenz bzw. die Betonung der Torah auf das Erkennen und Bereuen der eigenen Schuld beobachten. Das Opfer für ein Vergehen gegen die Torah kann logischerweise erst dann erbracht werden, wenn der Schuldige um sein Vergehen weiß, um dann Reue zu empfinden und dieser durch ein Opfer Ausdruck zu verleihen.

Doch ist dafür unbedingt das Blut eines Tieres nötig oder – anders ausgedrückt – ist es wirklich das Blut, das die Sühnung erwirkt?

3Mo 5:6  und er bringe dem HERRN sein Schuldopfer für seine Sünde, die er begangen hat: ein weibliches [Tier] vom Kleinvieh, ein Schaf oder eine Ziege, zum Sündopfer. So soll der Priester wegen seiner Sünde Sühnung für ihn erwirken.

3Mo 5:7  Und wenn seine Hand das [zum Kauf] eines Schafes Ausreichende nicht aufbringen kann, so bringe er für das, worin er gesündigt hat, dem HERRN sein Schuldopfer: zwei Turteltauben oder zwei junge Tauben: eine zum Sündopfer und eine zum Brandopfer.

3Mo 5:8  Und er soll sie zum Priester bringen; und dieser bringe die zum Sündopfer zuerst dar und kneife ihr den Kopf dicht beim Genick ab. Er soll ihn aber nicht [völlig] abtrennen.

3Mo 5:9  Und er sprenge [etwas] von dem Blut des Sündopfers an die Wand des Altars, das übrige von dem Blut aber soll an den Fuß des Altars ausgedrückt werden: ein Sündopfer ist es.

3Mo 5:10  Und die andere soll er als Brandopfer opfern, nach der Vorschrift. So erwirke der Priester Sühnung für ihn wegen seiner Sünde, die er begangen hat, und es wird ihm vergeben werden.

3Mo 5:11  Wenn aber seine Hand zwei Turteltauben oder zwei junge Tauben nicht aufbringen kann, dann bringe er, der gesündigt hat, als seine Opfergabe ein Zehntel Efa Weizengrieß zum Sündopfer. Er soll kein Öl darauf tun und keinen Weihrauch darauf legen, denn ein Sündopfer ist es.

3Mo 5:12  Und er soll es zum Priester bringen; und der Priester nehme davon seine Hand voll, die Askara davon, und lasse es auf dem Altar in Rauch aufgehen, auf den Feueropfern des HERRN: ein Sündopfer ist es.

3Mo 5:13  So erwirke der Priester Sühnung für ihn wegen seiner Sünde, die er begangen hat in einem von diesen [Dingen], und es wird ihm vergeben werden. Das Sündopfer aber soll dem Priester gehören wie das Speisopfer.

(Elberfelder Übersetzung 1985)

Ein Israelit, der sich nicht einmal zwei Tauben leisten oder einfangen konnte, hatte die Möglichkeit Weizengrieß als Sündopfer zur Vergebung darzubringen. Ganz eindeutig sorgt also nicht das Blut eines Opfertieres für die Vergebung, sondern das Opfer ist lediglich Ausdruck der Reue und konnte auch von armen Israeliten dargebracht werden. Es ist somit eine verschobene Perspektive der christlichen Theologie zu erkennen, welche mehr Gewicht auf Opfer und Blutvergießen zur Vergebung legt, anstatt die Perspektive der Torah anzuerkennen, die das Opfer lediglich als symbolischen Reueakt beschreibt.

Auf dieses Thema und auch auf absichtlich begangene Sünden und deren Vergebung, Vergebung von Sünden ohne Mishkan oder Tempel, werde ich im folgenden Teil eingehen.

[ Teil 2 ]

Wer ist der Knecht in Jesaja 53?

In der christlichen Theologie hat das Kapitel 53 in Jesaja eine zentrale Bedeutung. Dort wird christlicher Meinung nach der Leidensweg, Opfertod und die Erhöhung von Jesus prophezeit.

Somit werden wir den Text unter Einbeziehen des Kontexts und im Vergleich mit dem hebräischen Orginal analysieren um dem nachzugehen.

Bei dem Kapitel 53 handelt es sich um einen Teil eines wunderschönen poetischen Liedes. Es ist das letzte der vier Gottesknechtslieder und beginnt im Kapitel 52,13. In diesen poetischen Liedern geht es nicht um einen Messias, König usw., sondern um das Volk Israel, seinen Schöpfer Jahweh und die anderen Nationen.

  • Das erste Lied vom Gottesknecht   (Jes 42,1-4)
  • Das zweite Lied vom Gottesknecht (Jes 49,1-6)
  • Das dritte Lied vom Gottesknecht   (Jes 50,4-9)
  • Das vierte Lied vom Gottesknecht   (Jes 52,13-53,12)

Diese poetischen Lieder (oder Gedichte) beschreiben den Knecht, den Jahweh wählte,  „um für Gerechtigkeit für die Völker zu sorgen(42:1) und das Volk wieder nach Israel zu führen“ – zurück zu zum Schöpfer (49:5). Dieser Knecht wird auch ein Licht für die Nationen sein“, so dass andere Nationen, Jahwehs rettende Kraft“ (49:6) erkennen werden. Der Knecht in Jesaja wird viel Leid und Demütigung erleiden (50:6; 52:14; 53:3-5,7), wenn er dem Dienst, den Jahweh ihm aufträgt, nachgeht. Das letzte dieser Lieder verdeutlicht, dass auch wenn die Nationen den Knecht als „gefallen“ betrachten, der Knecht seine Mission nicht erreicht und sogar vom Schöpfer verworfen zu sein scheint, er keineswegs verworfen ist, sondern unter seiner Gnade Schutz und Heil erfährt!                                                                                                                                              Doch wer ist dieser Knecht?                                                                                                                                                                                                                                            3.Mose 22,25: Denn die Kinder Israels sind mir dienstbar; sie sind meine Knechte, die ich aus dem Land Ägypten herausgeführt habe; ich, Jahweh, bin eure Mächtige Authorität. Psalm 136,21-22: (..) und ihr Land als Erbe gab; denn seine Gnade währt ewiglich! Als Erbe seinem Knecht Israel; denn seine Gnade währt ewiglich!                                 Jesaja 41,8-9: Du aber, Israel, mein Knecht, Jakob, mein Auserwählter, du Same Abrahams, meines Freundes, den ich von den Enden der Erde ergriffen und aus ihren entferntesten Winkeln berufen habe, und zu dem ich gesprochen habe: Du bist mein Knecht, ich habe dich auserwählt und nicht verworfen                                                    (vgl. Jesaja 42:1u.19, 43:10, 44:1-2 u.21+26, 45:4, 49:3-7, 50:10, 52:13, 53:11)

Um ein besserers Verständnis von dem Kapitel 53 zu bekommen, muss man bei Jesaja 52,13 zu lesen beginnen – dem Anfang des 5. Liedes.

In der Einleitung des vierten Liedes ist auch die Kernaussage dieses poetischen Textes zu finden. Der Knecht (Israel) wird nach seiner Leidenszeit von Jahweh unter den Nationen einen erhabenen Platz haben. Und sogar die Völker, die ja glaubten, Israel sei verworfen, werden über Israels Entwicklung erstaunt sein.

Jesaja 52,13-15: Siehe, mein (Jahwehs) Knecht (Israel) wird einsichtig handeln, er (Israel) wird erhoben sein, erhöht werden und sehr erhaben sein. Gleichwie sich viele (die Nationen) über dich entsetzten, so sehr war sein (Israels) Angesicht entstellt, mehr als das irgendeines Mannes, und seine Gestalt, mehr als die der Menschenkinder, genauso wird er viele Heidenvölker in Erstaunen setzen, und Könige werden vor ihm (Israel) den Mund schließen. Denn was ihnen (den Nationen) nie erzählt worden war, das werden sie (die Nationen) sehen, und was sie nie gehört hatten, werden sie wahrnehmen.

Eine Vers-für-Vers-Analyse

Bei diesen Versen entstehen die Fehldeutungen einer Unkenntnis heraus. Es wird außer Acht gelassen, dass es sich dabei um poetische Gedichte handelt, bei denen mehrere Akteure miteinbezogen sind. Man muss es wie ein Theaterstück sehen, das mit mehreren Rednern (Schauspielern) und Bühnenbildern ausgestattet ist. Der Text soll einen Ausblick darüber geben, wie sich die Nationen in ferner Zukunft  ihre ungerechte Haltung gegenüber Israel eingestehen werden.

1. Wer hätte geglaubt, was uns da berichtet wurde? Und wem ist der Arm Jahwehs offenbart?  (Redner: die Nationen)                                                                                                                                                         In diesem eröffnenden Vers, sind die Herrscher der Nationen über die unglaublichen Nachrichten von Israels Heil schockiert: Wer würde glauben, was wir gehört haben!“          Mit dem „Arm Jahwehs“ ist die Stärke und Macht Jahwehs gemeint, mit der er Israel aus verschiedenen Situationen befreite (z.B. 5.Mose 26,8 aus Ägypten, (vgl. 3.Mose 3:20/ 6:6/14:31 Jesaja 51:9/ 52:10/ 26:8 Jeremiah 21:5/ 27:5 Hesekiel 20:33 Psalm 44:3/ 89:11/ 98:1/ 136.12).                                                                                                                                                   2. Wie ein kümmerlicher Spross wuchs er vor ihm auf, wie ein Trieb aus dürrem Boden. Er war weder stattlich noch schön. Er war unansehnlich, und er gefiel uns nicht.( Redner: die Nationen)

Das Bild von einem kümmerlichen Spross aus dürrer Erde ist eine Metapher für den jüdischen Kampf ums Überleben im Exil. Eine junges Bäumchen im trockenen Boden scheint nicht überlebensfähig. Die Israeliten waren eine kleine Nation, manchmal so klein, dass sie wie vom Aussterben bedroht waren. Hier wird die wundersame Rückkehr Israels aus dem Exil beschrieben. Der Vergleich Israels mit einem „kümmerlichen  Baum“ sind in den hebräischen Schriften öfter zu finden. (vgl. Jesaia 60:21, Hesekiel 19:13, Hosea 14:6-7, Amos 9:15).

3. Verachtet war er und verlassen von den Menschen, ein Mann der Schmerzen und mit Leiden vertraut; wie einer, vor dem man das Angesicht verbirgt, so verachtet war er, und wir achteten ihn nicht. ( Redner: die Nationen)                                                 Dieser Vers beschreibt Israel als verachtet und abgelehnt. Das war und ist ein ständiges Thema für das israelische Volk – viele Völker und Herrscher unterdückten Israel.            (vgl. Jesaja 49:7, 60:15; Psalm 44:14; Nehemia 3:36.)

4. Fürwahr, er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen; wir aber hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt.   (Redner: Die Nationen)                                                                                                         Bei dem vierten Vers reden die Nationen „in ferner Zukunft“, wenn Jahwehs Plan mit Israel den Völkern bewusst geworden sein wird. Sie erkennen „rückwirkend“ die Position und Funktion Israels an (vgl. 5.Mose 7,6/ 14,2/ 26,19)                                                                                                                                                                       5. Doch er wurde wegen unserer Missetaten verwundet, wegen unserer Missetaten zermalmt; die Strafe lag auf ihm, damit wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt worden. (Redner: Die Nationen)                                        Auch dieser Vers ist ein klassisches Beispiel für Übersetzungs- und Deutungsfehler: Der Vers sagt nicht: „Er ist für unsere Missetat verwundet und um unsrer Sünde willen gebrochen“ worden – gleich einem stellvertretendem Opfer und Leiden. Vielmehr ist die richtige Übersetzung: „Er wurde wegen unserer Missetat verwundet und wegen unserer Missetaten zermalmt.“ Somit hat der Knecht gelitten, weil die Völker ihn schlecht behandelt haben und nicht, wie oft behauptet wird, um für die Sünden anderer zu büßen. Der Vers beschreibt, wie die Führer der Welt sich gedemütigt eingestehen, dass Israel wegen ihrer Missetat (wegen dem Hass gegenüber Israel) gelitten hat. Die Nationen dementieren ihre vorherige Behauptung (siehe oben in Jesaja 52:12-13 und 53: 2-5), dass Israel von Gott bestraft/verflucht sei.

Zum Vergleich: Jesaja 54,17: Keiner Waffe, die gegen dich geschmiedet wird, soll es gelingen; und alle Zungen, die sich gegen dich vor Gericht erheben, sollst du schuldig sprechen. Das ist das Erbteil der Knechte Jahwehs und ihre Gerechtigkeit, die ihnen von mir zuteil wird, spricht Jahweh

6. Wir alle gingen in die Irre wie Schafe, jeder wandte sich auf seinen Weg; aber der Herr warf unser aller Schuld auf ihn. (Redner: die Nationen)                                        Die Völker erkennen, dass ihr Handeln gegenüber Israel fehlgeleitet war. Mit den Worten „der Herr warf unser aller Schuld auf ihn“ soll auf poetische Art die Reue der Völker über die lange Leidenszeit Israels gezeigt werden. Sinngemäß bedeutet das, dass der Schuldige nicht so wie der Unschuldige leidet.

7. Er wurde mißhandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer und seinen Mund nicht auftut. (Redner: Die Nationen)                      Die hebräische Bibel verwendet das Bild vom Schafe, (das) zur Schlachtbank geführt (wird)speziell in Bezug auf das jüdische Volk. z.B. wie in Psalm 44:12:                          Du hast uns wie Schafe zum Fraß hingegeben und hast uns unter die Heiden zerstreut.  Und in Vers 23: Ja, um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wie Schlachtschafe sind wir geachtet.                                                                                 Dieser Vers spielt auf die vielen Entbehrungen an – sowohl die physische Qual und die wirtschaftliche Ausbeutung , die die Israeliten in den verschieden Zeitepochen im Exil ertragen mussten.                                                                                                           Antike: durch die Assyrer, Babylonier, Griechen und Römer.                                                Mittelalter: Kreuzritter, Inquisition, Anklage wegen „Gottesmordes“                                      20. Jhd.: NS-Zeit, Holocaust                                                                                                     Auch heute noch ist der „Judenhass“ aktuell in vielen Gesellschaften integriert.

8. Infolge von Drangsal und Gericht wurde er weggenommen; wer will aber sein Geschlecht beschreiben? Denn er wurde aus dem Land der Lebendigen weggerissen; wegen der Übertretung meines Volkes hat SIE ( lamoh לָמוֹ ) Strafe getroffen. (Redner: Die Nationen)                                                                                     Die Phrase, Land der Lebenden“ (Eretz HaChaim) bezieht sich speziell auf das Land Israel. Es bedeutet nicht, dass der Diener getötet wurde, sondern dass er aus dem Land Israel verbannt wurde (vgl. Hesekiel 32:23-27). Dieser Vers beschreibt die Überraschung der Zeugen über die Rückkehr der Israeliten ins Gelobte Land.                                                                                                                                                Die Führer der Nationen (die Redner) bekennen „Wegen meines Volkes Sünde, wurden sie (die Israeliten) bedrängt“. Hier macht der Text deutlich, dass es sich um eine kollektive Nation und nicht um ein einzelnes Individuum handelt. Ich habe das Wort „sie“ im Vers 8 rot gekennzeichnet, um die Pluralform zu verdeutlichen, da gerade das Wort lamoh לָמוֹ  in der christlichen Theologie auf eine Person ( also auf Jesus) hin gedeutet wird.                                                                                                                                        Das hebräische Wort  lamoh לָמוֹ bezieht sich auf eine Gruppe (kollektive Einheit), siehe zum Beispiel                                                                                                             Jesaja 16,4:  Sei ihnen (Israeliten, wörtlich ihm) ein Versteck                                          Jesaja 44,7:  sollen sie ihnen (den Menschen, wörtlich ihm) verkünden!                    Jesaja 48,21: Wasser ließ er ihnen (Israeliten)                                                            Psalm 99,7:  die er ihnen (Israeliten) gab.   

In der hebräischen Schrift wird Israel sehr oft im Singular benannt und auch der Wechsel vom Singular zum Plural ist in der hebräischen Sprache nichts Ungewöhnliches.

Jesaja 43,10: Ihr seid meine Zeugen, spricht Jahweh, und mein Knecht, den ich erwählt habe…                                                                                                                                 Hosea 11,1-2: Als Israel jung war, liebte ich ihn, und aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen. Aber sobald man sie rief, wandten sie sich vom Angesicht der Rufenden ab.

Genau solch einen Wechsel vom Singular zum Plural wie bei den Versen oben findet auch in Jesaja 53 Vers 8 statt.

9. (christliche  Übersetzung) Bei Gottlosen sollte er liegen im Tod, doch ins Steingrab eines Reichen kam er, weil er kein Unrecht  beging und kein unwahres Wort aus seinem Mund kam.

Bestätigt wird diese Aussage im Neuen Testament.                                                            Lukas 23,50-51: Und siehe, ein Mann namens Joseph aus Arimathia, einer Stadt der Juden, der ein Ratsherr war, ein guter und gerechter Mann,der ihrem (der bösen Juden) Rat und Tun nicht zugestimmt hatte, der auch selbst auf das Reich Gottes wartete. Matthäus 27, 57: Als es Abend wurde, kam Josef, ein reicher Mann aus Arimathäa, der auch ein Jünger von Jesus war.                                                                                            In der christlichen Version von Jesaja 53,9 sollte der Knecht bei einem Gottlosen begraben werden, wurde aber dann bei einem Reichen begraben. Hier steht also der Gottlose im Gegensatz zum Reichen da. Laut dem N.T. wurde Jesus bei einem reichen und gerechten Jünger begraben.                                                                                       Das Problem ist nur, dass in der hebräischen Version der Gottlose nicht im Gegensatz zum Reichen steht, sondern die gleiche Person darstellt. Der Gottlose ist durch Ungerechtigkeit zum Reichtum gekommen. (Ein Bild für etwas Schlechtes, Böses)      Jesaja 53,9 (jüdische Übers.): Bei einem Übeltäter gab man sein Grab, bei einem der reich an seinen Todsünden ist, obwohl er keine Gewalt übte und kein Trug in seinem Mund war. (Redner: die Nationen)                                                                                                                                              Die Nationen, die Israel besonders im Exil bedrückten, werden als Übeltäter beschrieben. Somit war Israel den „bösen“ Völkern im Exil ausgesetzt und wurde dort „begraben“. Die Umschreibungen „keine Gewalt übte“ und „kein Trug in seinem Mund war“ bezeichnen nicht die Sündlosigkeit eines Menschen. Mit diesen Worten wird verdeutlicht, dass Israel von Jahweh wieder als gerecht befunden wird (vgl. Zefanja 3:10-20)

10. Doch es gefiel Jahweh ihn mit Krankheit zu schlagen, zu sehen, ob er sich als Schuldopfer präsentieren würde. Wenn er das tut, wird er seine Nachkommen sehen, und er wird seine Tage verlängern, Und was dem Jahweh gefällt, wird durch seine Hand gelingen. (Redner: Der Prophet Jesaja)

Hier spielt  der Prophet Jesaja auf den Bund zwischen Jahweh und Israel an. In diesem Bund (Vertrag) ist Israel eine Verplichtung eingegangen. Bei Nichteinhaltung muss das Volk die Konsequenzen ertragen.                                                                                 5.Mose 30,19-20: Ich rufe heute den Himmel und die Erde als Zeugen gegen euch auf: Das Leben und den Tod habe ich euch vorgelegt, den Segen und den Fluch! So wähle das Leben, damit du lebst, du und deine Nachkommen, indem du Jahweh, deinen MÄCHTIGEN, liebst und seiner Stimme gehorchst und ihm anhängst! Denn das ist dein Leben und die Dauer deiner Tage, dass du in dem Land wohnst, das Jahweh deinen Vätern, Abraham, Isaak und Jakob, geschworen hat, ihnen zu geben.

11. Nach seiner Seele Pein tränkt er sich satt. Durch seine Erkenntnis, macht mein Knecht, der Gerechte viele rechtschaffen, in dem er ihre Verfehlungen selber trug. (Redner: Jahweh)

In diesem Vers weist Jahweh selbst darauf hin, dass die Nationen seine gesunde und gute Lehre durch Israel erkennen werden. Israel wurde ja für einen bestimmten Zweck von Jahweh auserwählt.                                                                                                              2.Mose 19:5-6 Wenn ihr nun wirklich meiner Stimme Gehör schenken und gehorchen werdet und meinen Bund bewahrt, so sollt ihr vor allen Völkern mein besonderes Eigentum sein; denn die ganze Erde gehört mir, ihr aber sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein! Das sind die Worte, die du den Kindern Israels sagen sollst.                                                                                                                              Jesaja 60:3 Und Heidenvölker werden zu deinem Licht kommen, und Könige zu dem Glanz, der über dir aufgeht.                                                                                                     Sacharja 8:13 Und es soll geschehen, wie ihr ein Fluch gewesen seid unter den Heidenvölkern, o Haus Juda und Haus Israel, so will ich euch erretten, daß ihr ein Segen werden sollt. Fürchtet euch nur nicht, sondern stärkt eure Hände!                                Vers 23: So spricht der Herr der Heerscharen: In jenen Tagen wird es geschehen, daß zehn Männer aus allen Sprachen der Heidenvölker einen Juden beim Tzitzit festhalten und zu ihm sagen werden: »Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, daß Gott mit euch ist!                                                                                           Jesaja 2:2 Ja, es wird geschehen am Ende der Tage, da wird der Berg des Hauses Jahwehs festgegründet stehen an der Spitze der Berge, und er wird erhaben sein über alle Höhen, und alle Heiden werden zu ihm strömen.

Die Bezeichnung „gerecht“ wird im Christentum oft fehlinterpretiert. „Gerecht“ bedeutet in der hebräischen Denkweise nicht „sündlos/ schuldlos“ zu sein, was ja kein Mensch von sich behaupten kann. Wenn ein Mensch sich entscheidet Jahwehs Lehre in sein Leben zu integrieren, ist er ein Gerechter. Er wird nach jedem Fehltritt (Ungerechtigkeit, Sünde) umkehren (Reue, Wiedergutmachung) auf den Weg der Gerechtigkeit (Jahwehs Willen).                                                                                                                                                                                12. Deshalb gebe ich ihm seinen Anteil unter den Großen und mit den Mächtigen teilt er die Beute, weil er sein Leben dem Tod preisgab und sich unter die Verbrecher rechnen ließ, wo er doch die Sünden vieler trug und hat sich für ihre Verbrechen treffen lassen (Redner: Jahweh)

Die Worte „die Sünden vieler trug“ beschreiben die Zeit Israels im Exil, wie es den Völkern ausgesetzt war. Es hat nichts mit „Sündenvergebung“ zu tun. Mit „die Verbrecher“ sind die Besatzer gemeint, die Israel gewaltsam knechteten.

Hesekiel 39:10 Man wird kein Holz mehr vom Feld holen und keines in den Wäldern hauen; sondern man wird die Waffen als Brennstoff benützen. Sie werden diejenigen berauben, die sie beraubt haben, und diejenigen plündern, die sie geplündert haben, spricht der MÄCHTIGE Jahweh.

Genauer betrachtet handelt dieser poetische Text weder von einem                     König, einem Messias noch von einem Menschenopfer.

Dieser Text handelt von der Beziehung zwischen dem Schöpfer und dem Volk Israel.  Es geht um die Liebe und Gnade Jahwehs zu Israel.                                                          Somit behandelt Jesaja ein Thema, das sich durch die ganzen hebräischen Schriften durchzieht. Die Fehlinterpretationen entstehen, weil man nicht bedenkt, dass es sich um  eine poetische Sprache handelt, die nicht mit einem Sachbuch zu vergleichen ist. Gerade die Prophetenbücher sind durchzogen von lyrischer Poesie, die mit Metaphern, Personifikationen und anderen Techniken ausgeschmückt sind.

Jeremia 46,27-28: Du aber, mein Knecht Jakob, fürchte dich nicht, und du, Israel, erschrick nicht! Denn siehe, ich rette dich aus einem fernen Land und deine Nachkommen aus dem Land ihrer Gefangenschaft; und Jakob wird heimkehren, ruhig und sicher wohnen, und niemand wird ihn aufschrecken. Fürchte du dich nicht, mein Knecht Jakob, spricht Jahweh; denn ich bin mit dir; denn ich will allen Völkern, unter die ich dich verstoßen habe, ein Ende machen; dir aber werde ich nicht ein Ende machen, sondern dich nach dem Recht züchtigen; doch ganz ungestraft kann ich dich nicht lassen.

Micha 7,15-19: Ich will sie Wunder sehen lassen, wie zu der Zeit, als du aus dem Land Ägypten zogst! Die Heidenvölker werden es sehen und zuschanden werden trotz aller ihrer Macht; sie werden ihre Hand auf den Mund legen, und ihre Ohren werden taub sein.Sie werden Staub lecken wie die Schlange, wie die Kriechtiere der Erde; sie werden zitternd aus ihren Festungen hervorkriechen; angstvoll werden sie zu Jahweh, unserem MÄCHTIGEN, nahen und sich fürchten vor dir. Wer ist so mächtig wie du, der die Sünde vergibt und dem Überrest seines Erbteils die Übertretung erläßt, der seinen Zorn nicht allezeit festhält, sondern Lust an der Gnade hat?

Die Idee, dass Jesus den Knecht aus Jesaja 53 darstellen soll, ist aus dem Kapitel 53 nicht zu entnehmen, dagegen wird das Volk Israel in Jesaja eindeutig als Knecht benannt.

Jesaja 49,3:  Und er sprach zu mir: Du bist mein Knecht, bist Israel, durch den ich mich verherrliche.

 

 

Elohim [Teil 1]

Die Bezeichnung Elohim wird im Christentum oft als ein Beleg für die Trinität gesehen, da man davon ausgeht, dass es sich bei dem Wort um eine reine Pluralform handelt. Auch hier entsteht dieses Missverständnis aufgrund der geringen Auseindersetzung mit der hebräischen Sprachgestaltung.

1. Bedeutung des Wortes elohim

Die Bezeichnung elohim wird in den meisten Bibeln mit Gott, Götter oder Gottheit übersetzt. Doch in der hebräischen Sprache haben Wörter eine konkrete Bedeutung und die Übersetzung „Gott“ gibt nicht die wirkliche Bedeutung und Funktion des hebräischen Wortes elohim wieder. Elohim bedeutet mächtig, Mächtiger oder mächtige Autorität und kann somit auf Menschen, Götter anderer Völker und auf den Schöpfer Jehowah angewendet werden.

  1. eloah   ist die Singularform
  2. el         ist die Kurzform
  3. elohim ist die Pluralform

Viele aus dem Christentum gehen davon aus, dass es sich um eine pluralistische „Gottheit“ handeln muss, wenn das Wort eloah in der Pluralform elohim steht. Was hierbei nicht bedacht wird, ist dass im Hebräischen die Pluralform sowohl zur Bestimmung von einer Mehrzahl oder einer Mehrheit benutzt wird, aber auch, um auf besondere Qualitäten und Eigenschaften aufzuzeigen. Es geht dabei also nicht nur um Quantität sondern auch um Qualität.

Beispiele:

Die Pluralform Elohim für einen Menschen

2.Mose 4,16: Und er soll für dich zum Volk reden; er soll dein Mund sein, und du sollst sein Gott sein.

2.Mose 7,1: Und Jahwe sprach zu Mose: Siehe, ich habe dich dem Pharao zum Gott gesetzt, und dein Bruder Aaron soll dein Prophet sein.

1. Samuel 28,13: Und der König sprach zu ihr: Fürchte dich nicht! Was siehst du? Die Frau sprach zu Saul: Ich sehe ein Götterwesen aus der Erde heraufsteigen!

Im hebräischen Text steht an all den drei Stellen die Pluralform Elohim, obwohl es sich nur um je eine Person- und zwar um Mose und Samuel- handelt.

Die Pluralform Elohim für einzelne Götter der Völker:

Richter 11,24: Ist es nicht so: Wenn dein Gott Kemosch dir etwas einzunehmen gibt, nimmst du es nicht in Besitz? Was nun Jehowah, unser Gott, vor uns vertrieben hat, das nehmen wir auch in Besitz!

Der Gott Kemosch wird hier wie Jehowah als ein Elohim bezeichnet.

Könige 11,5: So verehrte Salomo Astarte, die Göttin der Sidonier, und Milkom, das Scheusal der Ammoniter.

Auch Astarte wird hier mit der Pluralform Elohim bezeichnet.

Beispiele für den Gebrauch von der Pluralform bei andern Wörtern

2.Mose 33,11: Und der Herr redete mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mann mit seinem Freund redet;

2. Samuel 14,24: Aber der König sprach: Laß ihn wieder in sein Haus gehen, und mein Angesicht soll er nicht sehen! Also ging Absalom wieder in sein Haus und sah das Angesicht des Königs nicht.

Im Hebräischen steht das Wort Angesicht in der Pluralform und nicht im Singular.  פּנים  = panyim =  die Angesichter. Doch der Übersetzer hat es logischer- und richtigerweise im deutschen mit Angesicht übersetzt.

1.Mose 21,15: Als nun das Wasser im Schlauch ausgegangen war, warf sie den Knaben unter einen Strauch. Im hebräischen wird Wasser immer in der Pluralform geschrieben. mayim = die Wasser

Beispiele für den Gebrauch von el, eloah und elohim für Jehowah

Jesaja 45,22: Wendet euch zu mir, so werdet ihr gerettet, all ihr Enden der Erde; denn ich bin Gott und keiner sonst!                                                                                                   Hier wird für „Gott“ die Kurzform el benutzt  אל

Psalm 114,7: O Erde, erbebe vor dem Angesicht des Herrschers, vor dem Angesicht des Gottes Jakobs.                                                                                                                    Hier wird für „Gott“ die Singularform eloah benutzt  אלוה

Jesaja 44,6: So spricht Jehowah, der König Israels und sein Erlöser,  Jehowah, der allmächtige Gott: „Ich bin der Erste und ich bin der Letzte, außer mir gibt es keinen Gott! Hier wird für „Gott“ die Pluralform elohim benutzt אלהים

Psalmen 18,31:  Denn wer ist Gott, außer Jehowah? Und wer ein Fels, als nur unser Gott?
Hier wird für „Gott“ zuerst die Singularform eloah אלוה und dann die Pluralform elohim אלהים benutzt.

Wir sehen hier also, dass sich alle drei Zeitformen auf den einen Schöpfer Jehowah beziehen.

[ Teil 2 ] folgt.

1. Mose 19,24 – ein Beweis für zwei Jahwehs?

In diesem Artikel wollen wir den Bibelvers aus 1. Mose 19,24 genauer betrachten, um ein besseres Verständniss zu erlangen!

Wie in vielen anderen von mir aufgezeigten Stellen, führt auch hier eine geringe Auseinandersetzung mit der antiken Sprachkultur, Denkweise und dem Kontext des Schriftauszuges zu einer Fehlinterpretation und einem falschen Verständis.

Schauen wir uns mal einige Übersetzungen von 1.Mose 19,24 an.

Schlachter Bibel:  Da ließ der Herr Schwefel und Feuer regnen auf Sodom und Gomorra, vom Herrn, vom Himmel herab.

Elberfelder: Da ließ der HERR auf Sodom und auf Gomorra Schwefel und Feuer regnen von dem HERRN aus dem Himmel.

Einheitsübersetzung: ließ der Herr auf Sodom und Gomorra Schwefel und Feuer regnen, vom Herrn, vom Himmel herab.

Diese drei Übersetzungen könnten einen verstehen lassen, dass ein Jahweh oben im Himmel ist und ein anderer Jahweh unten auf der Erde agiert. Aber in keiner dieser drei Übersetzungen ist direkt davon zu lesen, dass ein Jahweh unten ist!

Insbesondere Leser aus der christlichen Welt denken sich beim Lesen des Verses, das Wort „unten“ automatisch in den Vers hinein. Zumindest ist es das, was ich oft zu hören bekommen habe.

וַיהוָה, הִמְטִיר עַל-סְדֹם וְעַל-עֲמֹרָה–גָּפְרִית וָאֵשׁ:  מֵאֵת יְהוָה, מִן-הַשָּׁמָיִם.

Liest man den Vers im hebräischen Original, bemerkt man, dass der Name Jahweh zweimal vorkommt. Die oben aufgeführten drei Übersetzungen entschieden sich für eine wörtliche Übersetzung, die das sinngemäße Verständnis nicht berücksichtigen.

Im Deutschen finden sich jedoch auch andere Übersetzungen, die genauer auf den Sinn und Hintergrund eingehen:

Luther: Da ließ der HERR Schwefel und Feuer regnen vom Himmel herab auf Sodom und Gomorra.

Neue evangelische Übersätzung: Da ließ Jahwe Feuer und Schwefel auf Sodom und Gomorra regnen. Es kam von ihm, vom Himmel herab.

Neues Leben: Da ließ der Herr Feuer und Schwefel vom Himmel auf Sodom und Gomorra regnen.

Gute Nachricht: Da ließ der Herr Schwefel und Feuer vom Himmel auf Sodom und Gomorra herabfallen.

Hoffnung für alle: Da ließ der Herr Feuer und Schwefel vom Himmel auf Sodom und Gomorra herabfallen.

Denn hier handelt es sich um ein hebräisches/orientalisches Sprachmittel, das in der jüdischen Bibel sehr oft zu finden ist. Im folgenden möchte ich einige Beispiele aufführen:

1. Beispiel 1.Könige 8,1

Schlachter: Damals versammelte Salomo die Ältesten von Israel und alle Häupter der Stämme, die Fürsten der Vaterhäuser der Kinder Israels, zum König Salomo nach Jerusalem, um die Bundeslade des Herrn hinaufzubringen aus der Stadt Davids, das ist Zion.

Wie kann da sein? Beauftragte ein Salomo den anderen Salomo, die Fürsten nach Jerusalem zu schicken?

Luther: Da versammelte der König Salomo zu sich die Ältesten in Israel, alle Häupter der Stämme und Obersten der Sippen in Israel nach Jerusalem, um die Lade des Bundes des HERRN heraufzubringen aus der Stadt Davids, das ist Zion.

2. Beispiel Hesekiel 11,24

Luther: Und der Geist hob mich empor und brachte mich nach Chaldäa zu den Weggeführten in einem Gesicht durch den Geist Gottes. Und das Gesicht, das ich geschaut hatte, verschwand vor mir.

Haben wir es hier etwa mit zwei Geistern zu tun?

Neue evang. Übersetzung: Mich aber nahm der Geist Gottes und brachte mich zu den Verbannten nach Babylonien zurück. Dann verschwand die Vision.

2.Beispiel 2. Mose 24,1

Elberfelder: Und der HERR sprach zu Mose: Steig zum HERRN herauf, du und Aaron, Nadab und Abihu und siebzig von den Ältesten Israels, und betet an von ferne!

Befiehlt der eine HERR Mose zum anderen HERRN zu gehen?

Neue evangelische Übersetzung: Jahwe hatte zu Mose gesagt: „Steig zu mir herauf und nimm Aaron, Nadab, Abihu und siebzig von den Ältesten Israels mit. Werft euch in gebührender Entfernung vor mir nieder.

3.Beispiel Hosea 1,6

Schlachter: Dagegen will ich mich über das Haus Juda erbarmen und sie retten durch den Herrn, ihren Gott; doch nicht durch Bogen, Schwert und Kampf will ich sie retten, nicht durch Rosse noch Reiter.

Will hier etwa der eine Herr das Volk durch einen anderen Herrn retten?

Neue evangelische Übersetzung: Doch mit den Leuten von Juda will ich Mitleid haben. Ich werde sie retten, denn ich bin Jahwe, ihr Gott. Aber ich tue es nicht durch Bogen, Schwert und Kampf, nicht durch Pferde und Reiter.

4.Beispiel Sacharja 10,12

Schlachter: Und ich will sie stark machen in dem Herrn, und sie werden wandeln in seinem Namen, spricht der Herr.

Will hier etwa der eine Herr durch einen anderen Herrn stark machen?

Gute Nachricht: Durch mich, den Herrn, wird mein Volk stark sein; es wird im Vertrauen auf mich und nach meinen Weisungen leben und bestehen. Das sage ich, der Herr.

Ich kann immer nur wiederholen, dass es wichtig ist, die Hindergründe und sprachlichen Besonderheiten der hebräischen Sprache mitzubeachten. Man sollte sich nicht auf eine Übersetzung verlassen, sondern immer wieder mit anderen vergleichen, um dem Sinn des Textes so nah wie möglich zu kommen.